Geht so schnell

Zweieinhalb Wochen Namibia vergehen sehr schnell.

Ein Wochenende in Familie vergeht rasend schnell. Vor allem, wenn man am Freitag aus Namibia zurückgekommen ist und trotz reibungslosen Ablaufs während der Abwesenheit, doch viel erledigt, eingekauft, geübt, gelernt und besprochen werden muss.

Und noch viel schneller vergehen 13 Jahre. So alt ist die Große heute geworden. Ein richtiger Tee-Nager jetzt also.

Und weil alles so schnell geht, habe ich noch gar nicht richtig begriffen, dass es um mich rum nass, grau und dunkel ist. Das kann auch noch gern eine Weile so bleiben.

Hallo, bin wieder da.

Ein Jahr Lucky

Nach wie vor bereichern Lucky und Jacky unseren Alltag. Jedes Familienmitglied ist den Katzen auf seine eigene Art verbunden. Manche still und kumpelhaft (Herr DüneSieben), manche singen und dichten für die Katze (spinnige Frau DüneSieben) und andere wieder mit viel Körpereinsatz, Spielen und der ewigen Frage, wenn sie nach Hause kommen „wo sind eigentlich die Katzen?“ (die Kinder). Katerviechers, you rule!

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edit: Mit geänderter Bildgröße, damit man die Prachtkerle auch sehen kann.

Zwei Tage vorher

Seit gestern trage ich nur noch die Klamotten, die wirklich und definitiv nicht mit nach Namibia kommen. Alles andere wird geschont. Also wird die bequeme Lieblingsjeans erst wieder am Dienstag vor dem Flug angezogen. Zudem habe ich mal vorsichtshalber (vorsichtshalber, denn das Wetter ist im Oktober/November in Swakopmund recht unbeständig) die Badesachen aus dem Schrank geholt und gewaschen.

Ich folge übrigens Ihrem Rat und überlasse alles hier dem Zufall gehe einfach davon aus, daß zwei Elfjährige, eine Zwölfjährige und ein Herr Vater, alle mit diversen Telefonnummern und einer wirklich kurzen Merkliste (z.B. „am Montagabend Müll rausstellen“,  „am Donnerstagabend schon die Fahrgemeinschaften für Freitagnachmittag zum Handballtraining organisieren“ oder „Versichertenkarten liegen da-und-da“) ausgerüstet, das alles ganz wunderbar und dazu noch mit einer gewissen Portion Spaß wuppen werden.

(Wenn ich weg bin, gibts fast in jeder Pause Nutellabrote, habe ich mir mal sagen lassen, oder ganz-ganz dick Teewurst. Und Pizza vor dem Fernseher. Außerdem sehr lange Krauleinheiten abends im Bett von Papa.)

Ich freu mich wahnsinnig! (Auch jetzt schon auf das Wieder-Nach-Hause-Kommen.)

Plan

Exakt heute in einer Woche habe ich die erste Nacht in Namibia hinter mir.  Und werde einige Stunden später von Windhoek in Richtung Küste fahren, um dort die beiden Jubilare zu begrüßen, deren runde Geburtstage mich nach Namibia locken.

Zwei Wochen ich allein. Zwei Wochen kein Pubertätsstreß. Zwei Wochen in mich selbst kehren. Zwei Wochen intensiv Freunde und Familie. Zwei Wochen Frühsommer in Namibia.

(Derzeit brüte ich gerade über einem Plan, der die Daheimbleibenden im Minutentakt versorgt: Welches Kind nach der Schule wohin und muß abends wann und wo abgeholt werden, welchem Kind wieviel Geld mitgeben für wasfüreine Aktivität, welches Kind muß morgens an das Sportzeug erinnert werden und wann müssen nochmal die Mülltonnen rausgestellt werden…)

Leer

Ich bin zur Zeit leergebloggt. Stelle vieles in Frage, auch rund um die Bloggerei und von bloggenden Leuten. Es gibt ungeklärte Dinge, Dinge die angeschnitten wurden und die ich nun in meinem Kopf hin und her schiebe. Darum hier Pause.

Eines steht so ziemlich fest: Ich komme wieder. Wenn diese Leere sich gefüllt hat.

Alles, nur nicht Leberwurst

Frau Ami hat ganz wunderbar über Brote und ihre Rituale geschrieben.

Auch bei uns war es die Mutter, die die Pausenbrote geschmiert hat. Für uns Kinder war es immer recht prosaisch: Vollkornbrot von der legendären Bäckerei Probst in Walvis Bay mit Leberwurst. Immer nur das. Wir waren und sind ja ziemlich Fleischesser in Namibia und damals war das Käseessen noch nicht so zu uns durchgedrungen. Käse war etwas für Sonntagmorgen. Oder mal der Stinkebrie für den Vater abends. Also Leberwurst. Ich erinnere mich zwar nicht an Obst (auch mit dem Obst hatten wir es in Namibia nicht so), aber ich erinnere mich wohl an die geschmackliche Verbindung, die uneingewickeltes Leberwurstbrot mit Äpfeln in einer Dose eingeht. Also muß es dann und wann doch Apfelschnitzer in der Brotdose gegeben haben.

In meiner Sturm- und Drangzeit den späteren Schuljahren in Swakopmund wohnte ich bei einer älteren Dame, die mehrere Schüler in Pension hatte. Diese Bleibe war direkt neben einer schnuckeligen kleinen Bäckerei (für die insider: Ja, die Priczybilski Bäckerei), so richtig noch mit Holztresen und so urig schön. Jedenfalls war es Usus, daß entweder die Pensionsmutti selbst, oder die ersten munteren Schüler sich den eigens dafür vorgesehenen Stoffbeutel schnappten und Brötchen holten. Und so fing die Zeit an, als ich mit zwei Brötchen als Pausenbrot losmarschierte. Das war nur anfangs lustig und toll. Schnell vermißte ich herzhaftes Brot und die gute Pensionsmutti bäckt das beste Brot in ganz Swakopmund, oder wir tauschten mit den „Heimern“ (Schülern, die im Schülerheim wohnten, da Eltern auf der Farm). Das Pausenbrot der Heimer war zwar pappiges Braunbrot mit einer dünnen Schicht Aprikosenmarmelade, aber irgendwie aßen wir das ganz gern. Und einen Heimer konnte man kaum glücklicher machen, als ein Brötchen an ihn abzutreten.

Wenn meine Mutter, eine grandiose Köchin, auch nicht so viel Einfallsreichtum mit dem Pausenbrot hatte, es war immer von ihr selbst geschmiert und sie stand immer mit uns auf, egal wie früh wir losmussten. Zum Frühstück gab es Rice Krispies oder Corn Flakes, nur Mittwochs, da wurde die Monotonie unterbrochen von Toast mit einem weichgekochtem Ei. Mittwoch war kulinarisch sowieso ein Knaller: Denn Nachtisch gab es obendrein. Auch wenn das meist nur Jelly Pudding mit Dosenobst war.

Aus der frühen Abneigung: Äpfel mit Leberwurstgeschmack, bin ich zur Einwickelqueen geworden. Meist gibt es für meine Kinder pro Nase zwei Scheiben Brot. Eine herzhaft (nein, keine Leberwurst, eher Teewurst oder Salami) und eine süße (an besonderen Tagen Nutella, sonst Honig oder Marmelade) oder mit Frischkäse/Käse. Und die Brote werden separat eingewickelt. Die Apfelschnitzer oder Gurkenscheibchen oder Karottensticks wiederum wandern in ein Plastiktütchen. Alles, damit meine Kinder nicht das Trauma Apfel mit Leberwurstgeschmack übernehmen…

Einmal die Woche gibt es Aufbackbrezeln oder Knack-und-Back Croissants. Die Zwillinge lieben es, einen Rest Milchreis vom Vortag mit zu nehmen. Die Große wiederum mag gern ein Salatblatt auf ihrem Brot. Manchmal backe ich auch extra einen „Schulkuchen“ (Kastenkuchen mit Nüssen und Schokostücken). Und bei gefürchteten Arbeiten gibt es einen Glückbringer. Reingeschmuggelt natürlich. Oder ein Post-It mit einer aufmunternden Botschaft. Kleine Dinge, die sie auch zur Kenntnis nehmen und sich drüber freuen.

Also auch wenn ich vielleicht mehr Kreativität an den Tag lege als meine Vollkornbrot-mit-Leberwurst-Mutter, so ist das Ritual das selbe: Mutter steht in der Küche und schmiert die Brote, während die Kinder Cornflakes oder Müsli löffeln und man kann den Tag mental vorbereiten, akute Sorgen schnell besprechen, an den Turnbeutel erinnern oder das Geld für den Klassenausflug. Dann kriegt jeder einen Kuss und wird in den Tag verabschiedet. Möchte ich nicht missen, auch nicht Erinnerung. Nur den am Morgen binnen Millisekunden aufkeimenden Geschwisterstreit, der kann mir gern erspart bleiben. Aber – waren meine Brüder und ich anders? Das wiederum ist doch auch schon wieder ein Ritual.

Gespannt

Da wir zur Zeit in Äpfeln ertrinken sozusagen, gart im Ofen gerade ein Kartoffel-Apfel-Auflauf, belegt mit Frühstücksspeck und mit einem Guss aus Sahne, saurer Sahne und gewürzt mit Pfeffer, Salz, Majoran und Muskat. Immerhin drei große Äpfel bin ich los geworden. Ich bin gespannt, wie er schmecken wird. Und ob die Große nun Glück oder Pech hat, daß sie zu Hause ißt heute Mittag, im Gegensatz zu den Zwillingen, die in der Schule essen. Für Herrn DüneSieben, welcher derzeit zu Hause seine Erkältung auskuriert gibt es der Proteine wegen ein Straußensteak dazu.

edit 8.10.: Also, hm. Naja, ich muß ihn jetzt nicht jeden Tag haben. Darum hier auch kein Rezept, bitte Stichwort bei Google eingeben, Sie werden massig fündig. Kleiner Tipp am Rande noch: Mein Auflauf war fast doppelt so lange wie angegeben im Ofen. Und trotzdem waren die Kartoffeln noch sehr bissig, also ich würde sagen, bei niedriger Hitze und länger im Ofen lassen. (Vielleicht probieren Sie den Auflauf mal aus und berichten?)

Morgen elf

Heute vor elf Jahren, bin ich den letzten Tag mit einer Riesenkugel durch die Gegend gelaufen. Denn morgen vor elf Jahren sind die Zwillinge geboren. Auch an einem Donnerstag, auch nach einer Bundestagswahl. Das werden aber so ziemlich die einzigen Parallelen sein morgen. Vor elf Jahren hatten wir knackig-kaltes sonniges Herbstwetter. Das weiß ich noch genau, denn als Herr DüneSieben mit der Großen zu Besuch kam, hatte sie das erste Mal Strumpfhosen an, welches ich anerkennend zur Kenntnis genommen hatte. Meine Mutter, extra aus Namibia eingeflogen, meinte in Anbetracht der zwar für Zwillinge normal „großen“, aber für Außenstehende doch recht kleinen Babys: Die faß ich lieber nicht an. Was sie dann zum Glück natürlich doch getan hat.

Was einst klein und fein war, so klein, daß wir beim Wickeln, bzw. beim Windel unter den Po schieben, stets darauf bedacht waren, nicht zu grobmototisch zu sein, um nicht am Ende das Kind kopfüber an den Füßen zu packen, ist nun groß und recht gut geraten. Wenn ich das mit dem gut geraten mit leicht sentimentalem Mutterstolz mal so sagen darf.

Es macht einen glücklich zu sehen, wie die Kinder ihren Weg gehen, die Hürden des Lebens nehmen und angebotene Unterstützung annehmen. Natürlich läuft nicht alles schnurgerade und nach Plan. Schließlich beherbergen wir drei pubertierende Kinder im Hause DüneSieben. Aber es läuft. Und Spaß und Freude überwiegen beim Anfeuern am Lebensweg.

(Ich schreibe dies heute schon, da der morgige Tag in Arbeit, Besuch, Kuchen und Geschenkpapier untergehen wird, bzw. ich keine Chance sehe, fünf Minuten an den Rechner zu kommen.)

Pubertät

Ein schweres Los. Ein Hin und Her. Ein Auf und Ab. Kalt und Heiß. Laut und Leise. Heftig und Lasch. Temperamentvoll und Gefühlsarm. Tränen und Lachkrämpfe. Verständnis und Ignoranz. Mitgefühl und Abkapseln. Nähe und Distanz. Sonne und Regen. Mascara und Maskottchen. Bravo und Geolino. Schreien und Schweigen. Nachdenklich und Fröhlich. Betreten des Zimmers verboten und Labern bis zum Umfallen. Mama ist total doof und Mama ist voll toll. Ganz groß und plötzlich wieder ganz klein.*

Alles auf einmal, in einen Tag gequetscht. Und ich hechel immer hinterher.

* Liste wird im Laufe der Jahre ergänzt. „Wir“ sind ja erst fast 13. Kommen also noch ein paar Punkte dazu.

Welk

Ich stehe in der Umkleidekabine und probiere einen Kurzarmrollkragen-Strickpulli an. Über einem Langarm T-Shirt. Sieht sehr schick aus, finde ich. Bis mein Blick an mir hochwandert und an meinem Hals, beziehungsweise, an dem, was sich schlaff und faltig über den Rollkragen stülpt, hängenbleibt.

Ich stelle fest: Keine Rollkragenpullover mehr für mich. Und es liegt nicht so sehr an dem Gewicht. Eher am Alter, würde ich mal sagen.

(Hat denselben Effekt, wie wenn der Mantel beim Friseur zu eng geschnallt wird.)

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