Es war neulich die Rede davon, daß wir Blogger(innen) dazu neigen, immer nur die rosarote Seite zu zeigen und zu glorifizieren.
Dabei habe ich hier jeden Tag die geballte Realität. Drei Kinder in einem schwierigen Alter der Pubertät. Morgens um 6h00 mit dem Weckerklingeln setzt auch sofort der Kampfgeist der Kinder ein. Noch verschlafen und muffelig kann man sich so richtig schön an den Schwächen der Geschwister abreagieren. Oder die selbst noch verpennte Mutter bietet auch immer eine beliebte Zielscheibe. Sprich – bei Tee und Müsli morgens um kurz nach sechs, bin ich erziehungs- und schlichtungstechnisch oft schon arg gefordert. Was mir nicht immer leicht fällt. Da regt die Mittlere sich über die Große auf, weil die immer vergißt, daß da noch ein Rest Müsli und Milch in der Schale ist und diesen unwillkürlich in den Geschirrspüler kippt. Da stört der Sohn sich extremst an der Zwillingsschwester, die beim kauen so schnauft… Und die Große blockiert das Bad für die jüngeren Geschwister, weil sie sich schminken „muss“. Die jüngeren Geschwister empören sich derweil bei mir in der Küche darüber, daß die große Schwester jeden Morgen mindestens drei Frisuren ausprobiert und sich die Wimperntusche so dermaßen dranklatscht…
Über diese Schminksituation bei der Dreizehnjährigen bin ich auch nicht glücklich – aber wie geht man damit um? Wie bringt man so einem jungen Menschen Stil bei und daß weniger oft, meistens, mehr ist? Mein Argument, daß ich mich ja auch nicht jeden Tag schminke, widerlegt sie ihrerseits, daß sie blonde Wimpern hätte und ich dunkle. Meine Argumente wiederum, daß ihre Haut viel frischer, faltenfreier und jünger sei als meine und gar keine Schminke bedarf, schnauft sie beiseite. Und daß Herr DüneSieben sie neulich mit den Worten klatsch dich doch nicht so zu! begrüßt und gleichzeitig verabschiedet hat, wurde mit einem kräftigen, das Haus bis ins Fundament erschütternde, Haustürknallen quitiert.
Das war natürlich die falsche Ansage im falschen Moment. Und genau da kommt sie, die Realität: Man ist als Eltern nicht immer in der Lage, alles gelassen hinzunehmen und angemessen und erzieherisch korrekt zu reagieren. Man ist vor allem auch nur Mensch. Und nimmt die Dinge, die einem die Kinder so ins Gesicht schleudern, sei es stutenbissige Kommentare, unbedachte Äußerungen, schlechte Noten oder abgesprochene aber nicht erledigte Pflichten mal mehr mal weniger beherrscht hin. Man reißt sich zusammen wenn beim Abendbrottisch sich gegenseitig ins Wort gefallen, gemotzt und gepöbelt wird, vielleicht eine Woche lang. Aber dann hat man selbst einen schlechten Tag und kann es einfach nicht mehr ertragen. Dann endet das harmonische Familienabendbrot schneller und vor allem ganz anders, als einem lieb ist.
So ist es nicht immer, aber so kann es sein. Oft läuft es auch ganz toll und man fragt sich, was hat man als Mutter oder Vater oder Eltern denn nun anders oder besser gemacht. Dann ist es vielleicht so, daß alle gleichzeitig gut drauf sind und die emotionalen Zahnräder der Familie besser in einander greifen. Man hüte sich vor zu viel Kuscheligkeit, dann fällt man umso härter, wenn die Realität wieder auftaucht.
Spuren im Sand