Archiv für Januar 2008



Sonntagabend

Ich bin ganz erfüllt von dem gestrigen Abend, der ein Weihnachtsgeschenk an den DüneSiebenMann von mir war. Nicht ganz uneigennützig, schenkte ich ihm einen Gutschein für zwei Personen für ein 7 Gang Amuse-Bouche Menü der Feinheimisch Köche in diesem tollen Restaurant. Wer Hunger hat, jetzt weglesen! So sah das Menü aus:

Parfait von Landhuhn Leber mit gelben Wachsbohnen

Eintopf aus Graupen, Gemüsen und Miesmuscheln

Kürbis aus dem Rosmarin Rauch mit karamelisierter Meerrettichcreme und Pilz-Förtchen

Saibling mit Lauch-Senf-Krust auf gestovten Steckrüben und Karotten mit Kartoffelplätzchen

Frühlingsrolle vom Dorsch mit Rote Bete und Blutwurst

Landhuhn mit Topinambur und Apfelkompott

Ziegenfrischkäse mit Quitte im Kartoffel-Baumkuchen

Birne mit Zimtcreme gefüllt, Schlehen-Sabayon und Mandelhippe

Es war ein Erlebnis schlechthin, das Feinheimisch Programm ist lohnens- und unterstützenswert und es wird - obwohl kostspielig - nicht das letzte Mal sein, dass wir an so einem Menü teilnehmen.

Einziger Wehmutstropfen an dem Abend, waren unsere Tischgesellen… Älteren Semesters, womit ich an sich kein Problem habe, aber leider ungepflegt, mies gelaunt und mit recht verschrobenem Greisengetüddel. Er war Gebissträger und mir ist das Geräusch von Besteck-an-Zähnen schon zuwider. Gestern Abend lernte ich jedoch, dass ich bei Besteck-an-den-Dritten an meine Grenzen gerate, vom Geräusch von Dritten-auf-Dritten mal ganz abgesehen. Selbst tapfere Versuche unsererseits, eine Konversation in Gang zu bringen, frei nach dem Motto “setz dich mit dem Feind auseinander” brachten nichts. Er moserte rum, weil er Rückenprobleme hat und auf “den grässlich unbequemen Stühlen” nicht sitzen konnte. Good Gracious, so ein 7 Gänge Menü ist nunmal nicht in eineinhalb Stunden runtergeschlungen und wenn man nicht mehr gescllschaftsfähig ist, sollte man lieber zu Hause bleiben…! Um uns herum lauter nette Leute, die Spaß hatten und sich angeregt mit ebenso wildfremden Tischnachbarn unterhielten. Der DüneSiebenMann und ich haben uns lange nicht mehr so intensiv in die Augen geschaut und konnten jeweils die Abneigung gegen unsere beiden Tischkandidaten darin lesen… Das war dann schon wieder lustig.

Heute jedenfalls habe ich noch viele schöne Geschmäcker auf der Zunge, sogar die Blutwurst in der Dorschfrühlingsrolle, vor der ich echt Manschetten hatte, hat gemundet - in der Kombination zumindest!

(Die kleine Tochter habe ich 10 Minuten, nachdem die Schule angefangen hatte, abgeholt. Sie spuckt und hat Bauchschmerzen und ich hoffe, dass es nicht Herr Noro ist…)

DüneSieben und DüneSiebenMann heute unterwegs in Sachen Wohnwagen anschauen.

irgendwie ein guter Morgen

Heute war irgendwie ein guter Morgen. Und das, obwohl ich um kurz nach 5 wach war. Weil ich Schmerzen hatte - keine Ahnung, ob wegen der Myome oder Rücken oder nur so normale Frauenschmerzen. Jedenfalls habe ich um 5h10 den Tee für die Kinder gekocht, sodass er noch abkühlen kann und sie mich nicht gleich morgens schon beschimpfen wegen zu heißem Tee sich nicht die Zungen verbrennen. Eine Runde auf der Couch mit sein-Glück-nicht-fassen-könnendem schnurrendem Kater war auch noch drin.
Während ich Ananas zum snacken nebenbei schnippelte (es gibt bei uns nicht jeden Morgen frisches Obst zum snacken neben dem Müsli, aber ich sagte ja bereits, dass es ein guter Morgen war!), versorgte ich die Kindelein obendrein mit Englisch Vokabeln.
Wer weiß, was Ananas auf englisch heißt?
Schweigen, Müsligemampfe, Teegeschlürfe und leere ungläubige, weil Muttern gut gelaunt und nicht muffig wie sonst müde Blicke…
Pineapple, es heißt pineapple - witzig oder, sonst sind ja viele englische Wörter doch mit deutschen verwandt so wie Apfel - apple, oder Banane - banana… Stille, Müsligemampfe, Teegeschlürfe, gar erbärmliches Katergemautze (sicherlich wegen akutem Blasendruck).
Also ich finde es ja schon toll, was ich euch hier am früher Morgen beibringe, findet ihr nicht? Wenn Eure Lehrerinnen nur wüssten, was ihr für eine tolle Mutter habt…
Kleinere Tochter: Aber Mama, unsere Englischlehrerin kennt dich doch!
Große taktlose Tochter: Ja, aber nicht im Nachthemd und mit DEN Haaren…!
Sonst bieten verschlafene Kinder und Eltern oft die beste Vorlage für morgendlichen Zoff. Nicht heute, heute war die Stimmung heiter im Hause DüneSieben. Und als der ganze Spuk um 7h20 vorbei war, beziehungsweise alle fröhlich aus dem Haus waren, klopfte ich mir innerlich auf die Schulter. Warum kann es nicht öfter so sein, so ohne Knatsch, Gemecker, Gezeter und den ersten Eifersüchteleien des Tages… Und warum habe ich mich nicht immer so gut im Griff?

Oh Africa, how I miss thee!

Morgens aufzustehen, raus zu gehen, sich auf die warme Steinterrasse setzen und die nackten Beine in die Sonne strecken. Dann einen Kaffee aus der Küche holen, während Mutter und Noennie (unsere schwarze Haushaltshilfe und Seele meiner Kindheit) fröhlich in der nahe gelegenen Waschküche schnattern. Ich erinnere mich an einen Morgen, als ich mir am Vortag so einen Sonnenbrand am Strand zugezogen hatte, zu schnell aufgestanden war und bei meinem morgendlichen Ritual zuerst die Damen in der Waschküche zu besuchen, die Beine wegknickten und ich den Sonnenstich auf den Rasen auswürgte.

Die erste Wetter-Prognose an einem Sommermorgen an der Küste Namibias: Wie wird es heute? Verzieht sich der Nebel am frühen Vormittag, deutet das meistens auf einen perfekten Strandtag hin. Scheint gleich morgens schon die Sonne, wird dies oft durch den am Mittag einsetzenden scharfen, sandigen Südwestwind getrübt. Und man muss sich mehr oder weniger drinnen aufhalten, alles staubt ein, Autos werden gesandstrahlt und Gärten mit feinem Sandpuder bestäubt. Das Leben zwischen Wüste und karger Küste mit kaltem Benguelastrom eben. Nichts für Samtpfötchen. Nicht immer Strandwetter, aber wenn Strand, dann so richtig: Mit Tagesausflügen ans Meer. Kühltaschen mit Wassermelone, Spanspek und süßen Trauben aus dem Kap. Schüsseln mit Kartoffelsalat und belegten Broten. Vorräten an Fleisch und Wurst für den „Braai“ am Nachmittag, oft ergänzt durch eben gefangene Langusten. Campingstühlen und -tischen. Gazebos und ein Windschutz werden aufgebaut. Perfekt! Es wird am Strand gelebt. Kinder toben stundenlang im Wasser, obwohl es klirrend kalt ist. Und werden dabei je nach Anzahl Kinder im Wasser, von einem oder mehreren eifrig nebenbei schnatternden Müttern, beobachtet, denn mit der Brandung und Strömung des Atlantiks ist nicht zu spaßen. „Köppe-Zähldienst“ nannten meine Cousine und ich es im letzten Urlaub und saßen uns die Hintern wund am grobkörnigen Strand, während unsere Kinder im Wasser tobten. Der Himmel ist blau und ich meine blau. Die Luft ist würzig, die Sonne strahlt warm und die Möwen kreischen. Mit etwas Glück kann man einen Schakal beobachten, der sich von der Wüste, die 2 km im Rücken hinter einem beginnt, ans Wasser traut. Armer Kerl, geblendet und angezogen vom Salzwasser, trinken kann er es nicht.

 

Am späten Nachmittag wird man manchmal von plötzlich aufziehendem Nebel, angekündigt vom Tuten des Nebelhorns auf Pelikan Point (der Landzunge an der Walfischbucht) nach Hause gescheucht. Dann heißt schnell zusammenpacken und nach Hause fahren, an der für mich fast schönsten Strecke der Welt: der Küstenstraße zwischen Swakopmund und Walvis Bay. Abends liegt man im Bett und fühlt sich einfach nur pudelwohl, man hat das Gefühl immer noch unter den tosenden Wellen durchzutauchen und es ist, als hätte man einen Schleudergang in der Waschmaschine mitgemacht. Der Schlaf ist besonders entspannend nach so einem Strand- und Badetag.Sie sind immer wieder anders, die Strandtage in Namibia. Meine schönsten Erinnerungen hängen an ihnen. Und ja, verdammt nochmal, ich vermisse es. Sehr.
Notiz an mich selbst: Flüge für Dezember nach Namibia raus suchen! (Tipps für günstige Flüge werden gerne angenommen!)

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