Archiv für April 2008

nur kurz

  • Seit der Kater Hasen fängt, geht der Futterverbrauch deutlich zurück.
  • Sohnemann verwechselt immer noch “g”, “k” und “ch”. So mercht er sich etwas und der DüneSiebenMann und ich rufen jedes Mal: Merken kommt von merke und nicht von Märchen. (Er sagt auch gefährliger oder freundliger.)
  • Die Vorpubertät der Großen nimmt ungeahnte Ausmaße an. (Nervöses und hektisches durch h&m schießen auf der Suche nach einer passenden “Lägging” zum ultrakurzen (auch wirklich NUR mit Leggin zu tragendem) Rock.
  • H&M war für die Kinder bis Größe 128 schön. Ab dann fand ich es oft - vor allem für Mädchen - nicht so toll. Aber jetzt passen die Mädchen schon manchmal in XS Erwachsenen Sachen und das ist dann wiederum praktisch. Vor allem, weil es für Mädchen nur so “freaky” Cappys gibt und das Tochterkind aber unbedingt was für auf den Kopf braucht und ich gestern einen Erwachsenen Cappy fand, die ihr wunderbar passt (und steht!).
  • Wenn ich viel esse, nehme ich nicht zu, manchmal sogar ab. Wenn ich mich bewußt zusammenreiße, nehme ich zu. So scheint es mir jedenfalls oft. Seit die Familie aus Namibia da ist, futter ich munter mit und die Waage zeigt Tendenz nach unten. Liegt vielleicht daran, dass der große Bruder wie früher schon, auf meinen Teller starrt und hofft, dass ich nicht aufesse!
  • Ich habe zum Geburtstag eine CD bekommen, von einer uralt Band (èVoid) aus Südafrika. Wie Bulgariana schon hier so schön schrieb, hört solche Art Musik in der Heimat keiner, aber fernab vom Schuss, finde ich sie plötzlich toll.
  • Das “Spiel” Vatertag spiele ich nicht mit. Sogar Muttertag fällt bei uns fast unter den Tisch. Die Zwillinge sitzen derzeit zwar am Eßtisch und malen Mandalas mit “Papa ist der Beste” aus, aber das wars dann auch.
  • Haben Sie es schön dort draußen!

Erdbeeren

Wegen Hitze in Schleswig Holstein und weil es in Namibia so gut wie keine Erdbeeren gibt, gab es heute Mittag selbige für den Besuch. Mit Schlagsahne oder/und Milch. Da sind 2 kg Erdbeeren weg wie nix.

Perfekt

Der gestrige Geburtstag war perfekt. Das Wetter war perfekt, die Kuchen (süße und salzige, selbst gebacken und mitgebracht) waren perfekt, der Prosecco war perfekt, das kleine Fass Bier war perfekt, die Holzterrasse war perfekt, das Trampolin war perfekt, die 12 Kinder haben sich perfekt verstanden, die Unterhaltung war perfekt, die Musik war perfekt, das Ende war perfekt und die Kinderfüße abends perfekt schwarz. So schwarz, dass eine Vorwäsche unter der Dusche erforderlich war, bevor sie in die Wanne konnten. Das war wohl ein perfektes Aufwärmen für den nächstes Jahr anstehenden 40. Dann aber bitte unter gleichen perfekten Bedingungen.

Habt vielen Dank für die Glückwünsche in den Kommentaren, per Email und per SMS. Ich habe mich über jeden einzelnen sehr gefreut. Ihr Bloggerinnen rockt.

Bude voll

Das DüneSiebensche Haus platzt aus allen Nähten. Fast, zum Glück ist es groß. Die Familie aus Namibia ist angerückt und seit gestern knallen Türen und Proseccokorken, ist der Fußboden übersät mit angefangen und hastig wieder ab gebrochenen, weil doch bessere Idee, Gesellschaftsspielen, der Geschirrspüler läuft gefühlt non-stop, es steht immer etwas zu Essen auf dem Eßtisch plus eine Kaffee und Teekanne. Der erste Spargel an Rauchfleisch aus Namibia gestern Abend hat vorzüglich gemundet, der Besuch probiert sich durch die deutschen Biersorten, die Kinder, obwohl sie alle deutsch sprechen, bemerken doch feine Unterschiede. So nennen die Namibiakinder einen Spray auch wirklich einen Spray und nicht einen Schpree, die Schwägerin sucht nach einem Tupperware und nicht nach einer Tupperdose, Weelahn nennen sie kurz wireless, ein Henndie ist ein cellphone und ein Kombi ist bei denen ein VW Bus. Ich bin etwas konfus, fühle mich doch auf beiden Seiten zu Hause. Aber unterm Strich sprechen wir ja alle die selbe Seelen Familiensprache.

Und morgen helfen sie mir alle, 39 zu werden. Ich tauch mal wieder unter! Haben Sie ein schönes sonniges Wochenende da draußen in Nord und Süd.

Praktisch

Seit Neustem bei uns: Sohnemann mäht, ausgestattet mit Mickey-Mouse-Ohren, den Rasen.

Siehe auch links, das allzeit beliebte Trampolin und rechts, was ein Reh so von einem Pflaumenbaum übrig lässt.

Inselgestöck

Der Wortteufel sieht mich auf einer einsamen Insel und ich darf nur fünf Lieder hören. Da wähle ich für die Seele und mit Bedacht:

Clocks - Coldplay und Buena Vista Social Club (bringt meine Seele zum schwingen)

Don’t you forget about me - Simple Minds (bringt Erinnerungen für die Seele)

Peacekeeper - Fleetwood Mac (die Seele tanzt)

Bye Bye December African Rain - Juluka (da roots for da soul!)

The Wedding - Abdullah Ibrahim / Dollar Brand (Balsam für die Seele am Abend beim Sonnenuntergang)

Ich darf wirklich nur fünf Lieder mitnehmen? Hmmm, aber - hach, das wird schön, da auf der Insel. Ich werde mir meinen Kikoy umbinden und tanzen, träumen, baden und die Seele baumeln lassen. Und wenn mir langweilig wird, schwimm ich rüber zu Frau Wortteufel, denn ihre Auswahl ist auch nicht zu verachten.

So - und Unterholzbewohner, Rebenwanderin und Chrizzo haben die Nachbarinseln…

Namibia Flagge

Ab und zu sichte ich ein Auto mit einem Namibia-Sticker. Selten, aber es kommt schon vor. Ich vermute, das sind dann meistens Leute, die mal in Namibia geurlaubt haben, oder aber die Surfer, die dort schonmal im eisigen Wasser eine Runde gedreht haben. Selbstverständlich prangt an meinem Auto einer. Viele Namibier gibt es nicht in meinem Umfeld, die wenigen kenne ich. Meine ich zumindest. Ich hoffe ja immer noch auf DIE totale Überraschung: Ein Namibia-Sticker vor mir, ich dräng winke das Auto von der Autobahn und heraussteigt ein(e) alte(r) Bekannte(r) Was du hier in Kiel? - Ja, schon seit 15 Jahren! Hach, das wär doch was!

Gerade neulich hatte ich wieder ein Auto mit Namibia-Sticker vor mir. Ich nahm die Verfolgungsjagd auf fuhr hinterher, ohne total von meinem geplanten Kurs abzuweichen und während ich so hinter dem Sticker her eier, frage ich ich mich die ganze Zeit was zum Kuckuck mit dieser Flagge los ist - bis mir schwant, dass sie auf dem Kopf ist. Das Sonne, welche oben links scheinen soll, hing unten rechts. Es hat meine namibische Seele total gekränkt. Nee, nee, so nicht liebe Namibia-Urlauber! Einmal dorthin juckeln und sich dann den Aufkleber verkehrt rum auf den alten schraddeligen Golf bappen. Beim Überholen stellte sich heraus, was ich vermutet hatte: eine Dame, deutlich älteren Semesters, die gar nicht wusste, ob sie kam oder ging auf mein freundliches Winken null eingegangen ist.

Namibia (Flagge und Hymne)

Der Zopf

Nun geht es also wieder los. Kaum sind die Haare über die Ohren gewachsen, werden sie auf Krampf in einen Zopf gesperrt. Ich komme mir vor, wie früher in der Grundschulzeit. Mama, darf ich meine Haare wachsen lassen? Ja, ich habe in der Tat um Erlaubnis gefragt, die Haare wachsen zu lassen. Und bin prompt 3 Tage später mit “Zöpfen” in die Schule. Meine Mutter hat es zwar immer erlaubt, aber immerhin, ich habe gefragt. Hängt sicherlich damit zusammen, dass wir Schultracht hatten und die Haare ab einer gewissen Länge halt zu einem Zopf binden mussten. Lange oder auch nur längere Haare bei den Jungs gab es nicht. Wurde alles regelmäßig kontrolliert. Auch Schminken und Nagellack war tabu, aber einem gewissen Alter allerdings war wenigstens durchsichtiger erlaubt. Grenzt schon ein wenig an ein Wunder, dass ich mir mit 19 nicht alles gleichzeitig ins Gesicht geklatscht habe…

Na, Frau Ami neidisch? Aber soll ich Ihnen mal was sagen: ich habe schon wieder dieses altbekannte Ziepen am Hinterkopf und meine Haare sind ja nun weiß Gott noch nicht lang.

Südafrikanische Musik (2)

Ich sehe mich, uns, da in unserer WG am Fuße des Tafelbergs. Die WG bestand aus zwei meiner immer noch besten Freundinnen und mir. Menschen, Partner kamen und gingen. Wir experimentierten mit Männern, Parties, Rotwein, Lernen, Hasch, Unis und dem Leben überhaupt. Manchmal frage ich mich, wie wir da mehr oder weniger heil raus gekommen sind. Es war, wie ich meinen Eltern so gern entgegenhielt, fragten sie mich am Ende des Jahres nach Erfolgen beim Studium, eine Lehre fürs Leben im wahrsten Sinne des Wortes. Wir waren unseren mehr oder weniger deutsch geprägten Umgebungen und Familien und dem Muff der Regierungsschulen entkommen und genossen nun die große Freiheit, fernab (16 000km entfernt in meinem Fall) der Heimat.

Gleichzeitig war es die Zeit des (politischen) Umbruchs in Südafrika und im südlichen Afrika überhaupt. In die eine oder andere Demo hatte ich meinen großen Zeh gehalten, nur um dann schnell verängstigt zurückzuziehen. Ich war ja auch viel zu naiv und unwissend. Wir waren so behütet aufgewachsen und betrachteten die Dinge mit großer Distanz. Erst Jahre später habe ich kapiert, was da um mich herum, direkt unter meiner Nasenspitze, passiert ist.

Wenn Menschen in einem System gefangen sind, drücken sie es oft in Musik aus. So auch Koos Kombuis. Rückblickend das Aushängeschild südafrikanischer Musik der 90er Jahre. Ich werde es nicht schaffen, Ihnen Koos Kombuis nahe zu bringen, höchstens den Mitlesenden mit einem südafrikanischen Draht, einen backflash zu bescheren. Koos Kombuis ist ein Künstlername. Koos ist ein Allerweltsname wie Peter. Kombuis heißt Küche. Koos Kombuis ist ein Dichter, ein Querdenker, ein Einzelgänger, ein ewig Leidender, ein Barfuß durch den Regen Gehender. Sensibel bis in die Fingerspitzen, ein Filter für die Umstände der damaligen Zeit. Er sang von dem und gegen das “System“. Nicht so richtig öffentlich, stand er doch unter Beobachtung wegen seiner kritischen Äußerungen. Aber auf kleineren Studentenkonzerten in Stellenbosch oder vornehmlich in verruchten, verrauchten Kneipen in Kaptstadt, wo der Rotwein in großen Saftgläsern ausgeschenkt wurde. Wir waren fasziniert von diesem damals noch dürren, ausgemergelten Mann, dem die schmuddelige Jeans um die Hüften schlabberte und der stets eine Wollmütze trug. Noch faszinierter waren wir, als ich ihn mehrfach in unserem Corner Cafe sah, wo er sich einen halben Liter Milch holte und an der Straße in einem Zug austrank. Er lebte in der gleichen Straße wie wir, da wo die Straße sich steil den Lion’s Head hochschlängelte…

Und nun kommt mein größtes Dilemma: Er hat ein wunderschönes Lied geschrieben, das genau diese Atmosphäre der späten Achtziger und frühen Neunziger in Kapstadt in sich hat. Und ich finde kein vernünftiges Video, das ich hier einstellen kann. Das Lied, “Lisa se Klavier”, ist für mich eines der schönsten Lieder überhaupt. Er steht in dem Lied auf Lisas Balkon, mit einem Aprikosentee in der Hand und schaut raus in die dunkle Kapstädter Nacht, den Tafelberg, das schwarze Meer, die Lichter in der Dunkelheit und Lisas Klavierspiel dringt hinaus auf die Straße, auf der die Obdachlosen (hier “Bergies” genannt, von wegen “die am Berg lebenden”) tanzen. Und Lisa kann nicht aufhören zu spielen. Wenn ich dieses Lied höre, stehe ich wieder auf dem Balkon in Tamboerskloof und schaue raus in die dunkle Nacht, auf den angestrahlten Tafelberg. Am nächsten Morgen werde ich geweckt vom durchdringenden Aufruf zum Gebet vom Signal Hill für das nahegelegene Malay Quarter. Und ich bin wieder 20 oder 21 Jahre alt und bin verwirrt vom Leben, verworren, habe alles vor mir und schon vieles hinter mir. Habe meine besten Freundinnen und Freunde, meine Menschen, die mir noch so viel bedeuten werden im Leben um mich herum und trotzdem - bin ich allein.

So gern ich hier eine schlechte Version von “Lisa se Klavier” posten würde - ich würde das schöne “Lisa se Klavier” raushören, aber nur, weil ich es eben kenne - hier nun ein aktuelleres von einem zur Ruhe gekommenen, fülligeren Koos Kombuis zusammen mit dem Niederländer Stef Bros. Sie hören Afrikaans und Sie spüren vielleicht ein wenig Afrika. “Avondland” (Abendland), die toekoms lê in Afrika. Die Zukunft lieg in Afrika.

generationgap

Oder in nicht-denglisch: Eine Generationslücke ist es wohl, wenn ich die Brut durchs frühlingserwachende Kiel chauffiere, U2 mit “One” (in meiner Lieblingsversion mit Mary J. Blidge - Hammer, die Frau!) im Radio kommt, ich lauthals mitgröhle und Sohnemann (ansonsten sehr musikinteressiert, aber halt nur der neumodische Kram) sagt bitte mach mal das Radio leiser, das ist mir jetzt gerade zu laut.

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