Südafrikanische Musik (1)

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Da die namibische Musikszene nicht wirklich etwas zu bieten hat, die südafrikanische aber dafür um so mehr, möchte ich hier zunächst eben jene südafrikanische Musik vorstellen. Musik war für mich immer sehr wichtig. Ich wurde gequält bin aufgewachsen mit James Last oder Marschmusik am Sonntagmorgen. Bei schweren Opernchören oder Ivan Rebroff blieb mir das Frühstücksei im Halse stecken. Damals tobten die Rollings Stones, Abba oder wenigstens die Beatles und manchmal frage ich mich, wieso das nicht bei meinen Eltern ankam. Dass diese Musik nicht bis nach Namibia durchdrang, ist keine Entschuldigung, viele Eltern meiner Freunde hegten ihre Stones Mukke. Mein Vater ist zwar bis heute ein Jazzfan, aber dazu gab es in Namibia keinen Zugang und er beschränkte sich auf die abendliche Jazzsendung im Radio, die mit seiner Duschzeit übereinstimmte. Auch eine tolle Kindheitserinnerung, der unter der Dusche Jazz dudelnde Vater…

Meine Patentante hatte in Walvis Bay ein Elektro Geschäft, spezialisiert auf Elektrotechnik der Fischereiindustrie, bzw. der Fischerboote, aber auch mit einer großen Schallplattenabteilung. Erstens gab es immer feine LP Geschenke zu Weihnachten und zum Geburtstag. So hatte ich die ganze Bandbreite an Hanni und Nanni, Heidi, Huckelberry Finn, Black Beauty usw. zu Verfügung. Zweitens aber vor allem, habe ich in den Schulferien bei ihr im Laden gejobbt und kam so günstig an Musik. Auch meine Brüder haben ihr gesamtes Taschengeld in den Laden getragen und so hörten wir recht früh recht gute Musik und würgten fortan meine Eltern ab.

Meine Brüder sind vier und sechs Jahre älter als ich und haben ganz bestimmt meinen Musikgeschmack sehr geprägt. Mein großer Bruder führte mich in die Welt von Supertramp, Roxy Music und Alan Parsons Project ein seine Udo Jürgens Phase verschweigen wir jetzt mal. Mein jüngerer (aber dennoch älterer Bruder, Sie verstehen schon) war für die leichteren Sachen zuständig. Bob Marley, UB40 und Juluka werden mich immer an ihn erinnern.

Die neue deutsche Welle verfolgten wir im damals gerade ganz frisch gegründeten deutschen Radiosender und Hallo Klaus wurde die Entgleisung schlechthin mein Lieblingshit! Nein, dafür schäme ich mich jetzt nicht, ich habe ja irgendwann geschmackstechnisch die Kurve gekriegt… Wir haben ziemlich exakt die gleiche Musik gehört da unten im südlichen Afrika wie unsere Zeitgenossen hier oben in Deutschland. Nur beschränkte sich das bis Mitte der Achtziger Jahre halt aufs Radio und LP’s.

Ich fange in der jüngsten Vergangenheit an. Freshlyground hörte ich zum ersten Mal, als ich im März 07 in Namibia war. Hier gibt es eine gute Kurzbeschreibung der Band. Sie gewannen 2006 den MTV “Best African Act” Music Award in Kopenhagen. 2006 in Berlin, haben sie bei der Fussball-WM anlässlich der FIFA-Stabübergabe der deutschen an die südafrikanische Organisation, als kulturelle Vertreter des nächsten Veranstalterlandes, für die passende musikalische Untermalung gesorgt. Bestimmt werden sie auch den Hit für die Fußball WM 2010 in Südafrika liefern.

Großer Hit und vor allem in Italien sehr erfolgreich war Doo Be Doo, ein Ohrwurm schlechthin, den meine Kinder sehr lieben. Ich bevorzuge die ruhigeren Stücke auf der CD Nomvula. Was mich an der Musik fasziniert ist, dass sie nicht mehr so aggressiv afrikanisch ist, wie die Bands zur Zeit der Apartheid. Die Musik aus der Apartheids Ära konnte sich einem, mit ihren politischen Texten, ganz gut aufs Gemüt legen. Auch wenn diese Musik sehr wichtig war und auch sehr gut. Ich werde darauf in spätere Beiträgen eingehen. Freshlyground jedenfalls ist zwar afrikanisch folkloristisch geprägt, aber entspricht dem aktuellen positiven Zeitgeist Südafrikas. Zudem ist die Band ein Mix aus schwarz und weiß, die Sängerin, Zolani Mahola, ist farbig, anders könnte es auch gar nicht sein. Sie halt solch eine Leichtigkeit in der Stimme, die typisch ist für die dunkelhäutige Unbeschwertheit.

Hier ist ihr aktueller Hit “Potbelly”. Potbelly ist ein Bierbauch, eine Wampe. Besungen werden Potbelly, weiche, dicke Oberarme und fette Oberschenkel - die “good loving” geben. Und das sollten wir uns hinter Ohren schreiben, oder? Da ist er nämlich, der positive südafrikanische spirit. Hüftschwingend und fröhlich, trotz ein paar Kilos zu viel.

Haben Sie einen wunderschönen Tag!

Ihre Potbelly-DüneSieben

5 Antworten zu “Südafrikanische Musik (1)”


  1. 1 Chrizzo April 2, 2008 um 11:55 Uhr vormittags

    Eine tolle Idee und ein gutes Lied zu unserem Frühstück, auch in mehrmals wiederholt noch - der kleine Mann hat drauf bestanden. ;-)

  2. 2 wortteufel April 2, 2008 um 1:17 Uhr nachmittags

    Danke, liebe DüneSieben, für diese wunderschönen Tipps und ein wunderschönes Lied für diesen grauen Tag.

  3. 3 DüneSieben April 2, 2008 um 3:15 Uhr nachmittags

    Freut mich, wenn Ihr Euch freut! :-)

  4. 4 Alke April 2, 2008 um 5:29 Uhr nachmittags

    Wunderbar!
    Danke für den Tipp. Hab mir auf YouTube gleich noch mehr von der Band angeschaut/gehört. Toll!

  5. 5 Spunk April 12, 2008 um 1:55 Uhr nachmittags

    Dieses Video ist einfach nur schöööööööööön!!!

    Die Farbe gelb kommt ist überhaupt nicht zu sehen, aber die Sonne blinzelt trotzdem überall hervor.

    DAS ist Lebensart! :-)

    LG
    Spunk

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