Archiv für April 2008



Raubtier Reh

Da legt man einen neuen Garten an, plagt sich ab, hat abends von der Gartenarbeit Rückenschmerzen, kauft einen gesamten Pflanzenmarkt leer, nur um heute Morgen zu meinen, man hätte Halluzinationen mit Tränen in den Augen festzustellen, dass die Rehe in der Nacht mal kurz tabularasa gemacht haben. Vier Obstbäume und diverse Frühlingsblüher mussten dran glauben. Und außerdem ist der ganze Rasen vollgekackt. Bambi… wenn ich dich erwische!

Mama, wir brauchen für morgen …

Meine Kinder brauchen andauernd Sticknadeln für die Schule. Stumpfe Sticknadeln, dicke Sticknadeln, dünne Sticknadeln, Sticknadeln mit Spitze. Sticknadeln am laufenden Bande. Die Kombination Sticknadeln und ungeschickte, nicht-nähende Mutter ist nicht von Vorteil für die Kindelein. Ich habe mich mal bewaffnet mit Sticknadeln, aber die sind über die Jahre alle verschwunden. Als am Montag die Ansage der Zwillinge kam “Mama für Donnerstag brauchen wir jeder eine stumpfe und eine spitze Sticknadeln” platzte mir fast der Kragen. Ich meinte, sie sollten ihre Sticknadeln selbst suchen oder aber in der Schule gucken. Da müsste mittlerweile ein ganzer Haufen von DüneSieben Sticknadeln liegen. Oh, wären Sticknadeln nur nicht so dünn und könnte man sie beschriften… So ‘ne Sticknadel geht ja auch fix verloren. Auch wenn man sie in ein Haushaltstuch steckt, so wie ich es von der ordentlichen Schwiegermutter gelernt habe. Jedenfalls ist mir dieses Thema Sticknadeln für Donnerstag total entfallen. Eben steht das Zwillingsmädchen vor mir, plinkert mit den Augen und meint du Mama, wir brauchen für morgen jetzt doch keine Sticknadeln, sondern jeder einen Hammer und 30mm Nägel! Da hatte die Lehrerin zum Glück ein Erbarmen. Und wenn wir etwas haben in diesem Haus, dann sind es Nägel. Und Hammer. Auch wenn es Mädchenhammer sind zum Teil, wie ich mir neulich vom DüneSiebenMann anhören musste. Aber auch ein Mädchenhammer kann einen Nagel in die Wand dreschen. Oder was immer sie in der Schule mit Hammer und Nägeln vorhaben.

(Ich weiß, das ist bestimmt ein Post der in die Kategorie “Beiträge die die Welt nicht braucht” fällt. Sorry. Mehr ist nicht drin zur Zeit. Und solche Dinge beschäftigen eine Mutter halt.)

Edit: Auf meine Frage eben gerade Und, was habt Ihr denn nun mit den Hammern und Nägeln gemacht in der Schule? kam ein Wir haben gehämmert, aber was dürfen wir nicht sagen! (Ist was im Anmarsch? Arbeiten sie schon auf Muttertag hin?)

Marten-Levin jetzt auch hier

Mit ihrer Marten-Levin Geschichte hat Frau Wortteufel so richtig reingehauen. Ich hätte so viel dazu zu sagen gehabt, dass ich gar nicht kommentiert habe, sondern einen Antwort-Beitrag darauf schreiben wollte, für den ich dann keine Zeit hatte. Nun hat auch Ami sich dazu geäußert und somit brodelt es in mir noch mehr.

Ich kenne die Marten-Levins. Ich hatte sie als Nachbarn, ich hatte sie als Freunde meiner Kinder, ich hatte und habe sie im Bekanntenkreis, vor allem aber haben meine Kinder alle etwas von Marten-Levin in sich und (man stelle sich Hape Kerkelings Tonfall vor!) - jetzt kommt’s - ich hatte und habe oft etwas von Marten-Levins Mutter!

Ich kann meine Hand dafür ins Feuer legen, dass ich in diversen Supermärkten, in vielen H&M’s, auf vielen Kieler Wochen, in vielen Badaustellungen, auf vielen Parties, ganz zu schweigen von Langstreckenflügen nach Namibia, oder sonstwo, wo Kinderlose halt (zu Recht, oder Unrecht, dass ist für mich immer die Frage) erwarten, dass sie ihre Ruhe haben, meine Mitmenschen in die Tischkante habe beißen lassen mit meinen drei “unmöglichen Blagen”!

Ich kann jedoch versichern, dass ich es BEMERKT habe. Denn die größte Pein haben meine drei Marten-Levins, mir, der Mutter und Verantwortlichen, besorgt, in solchen Situationen, die ein Augenrollen nach sich gezogen haben. Ich habe drei Kinder in zwei Jahren bekommen, ja die Große war noch nichtmal zwei Jahre alt, als wir mit Zwillingen bestraft beschenkt wurden. Auch ich hatte nicht nur zwei Wickelkinder (wie so einige Bloggermamas unter uns zur Zeit) sondern gleich drei der Sorte! Juphei, bei uns war Stimmung! Und damit das Fass so richtig schön ins Schwappen kommt und beinah-beinah überläuft kam dann nach einem halben Jahr auch noch die Hydrocephalus-Diagnose bei der Zwillingstochter hinzu. Das erzähle ich nicht, um Mitleid zu schinden, sondern um zu zeigen, dass ich auch mal an der Front war und nicht nur aus der vielleicht überheblichen Sicht einer “Ich-bin-da-durch-Mutter” spreche. Meine Marten-Levins Kinder sind jetzt elf und 2x neun.

Was mir und uns als Eltern in den Jahren geholfen hat, war Routine. Routine war das A und O. Routine bedeutet aber auch wenig Flexibilität. Es bedeutet, zwar mit der Kinderschar zu beispielsweise einer Party zu gehen, sich aber vorzunehmen, um 16h00 hinzugehen und um 19h00 zu GEHEN. Und wenn die Kindelein gerade so sonnig sind und alle anderen Gäste verzaubern. 19h00 Abflug. Kinder zu Hause in Ruhe, in der gewohnten Umgebung füttern, baden, ins Bett. Es bedeutete viel Entsagen, vor allem für mich als Mutter. Ich konnte es nur so. Ich war nicht die super-entspannte Mutter, die in Wind und fliegendem Sand mit Kleinstkindern im Auto/Kinderwagen/sonstwo ihrem Mann beim Surfen zuguckt. Nö, da blieb ich lieber zu Hause, wo ich alles griffbereit hatte und die Kinder ihr geregeltes Leben hatten. Wohlbemerkt, weil ICH es so wollte. Es wurden auch nicht am Samstagvormittag Badezimmeramaturen ausgesucht, weil ich wußte, dass die Kinder Amok laufen würden.

Ich kann beide verstehen, Ami und den Wortteufel. Ich wusste sofort, dass Wortteufel es satirisch-bissig meint und sie sprach ja vielen von uns aus der Seele. Dass unter meinen bitterbösen, angenervten Blicken, nicht schon so manches Kleinkind sich schlichtweg in nichts aufgelöst hat, ist mir unverständlich. Und zeigt nur, wie unverwüstlich die Biester sind! Aber ich darf es ja, ich bin ja Mutter. Meine liebe kinderlose Freundin sagt immer, wenn sie zwischen uns schnatternden kinderreichen Frauen sitzt ich darf ja nichts sagen, ich habe ja keine Kinder. Dass ich selbst mal Kind war, dass ich kleine Geschwister habe, die meine eigenen Kinder sein könnten vom Alter her, dass ich viele Kinder im Bekanntenkreis habe, ZÄHLT einfach nicht. Und gerade diese Freundin hält mir so oft den Spiegel vor. Bringt mich entweder auf den Teppich, wenn ich meine, dass meine Kinder so außergewöhnlich schwierig sind. Oder aber gibt mit zu verstehen, dass von allen Marten-Levins dieser Welt, meine drei Exemplare noch die angenehmsten sind. Und das tut sie nicht, um mir Honig um den Mund zu schmieren. Sie wertet Kinder als Menschen. Ohne das ganze hutschi-gu, das wir, mit Kindern, gern an den Tag legen.

Wir haben einige kinderlose Freunde, gute Freunde. Und es sind gerade diese Freunde, die unseren Kindern am nächsten sind. Gerade, WEIL sie sie als Menschen und nicht nur hutschi-gu als Kinder werten. Sie sind unseren Kindern echte Kumpel und solchen Freunden räume ich alle Kritik an meinen Kindern ein.

Wie schon so oft erlebt, kochen die Emotionen hoch beim Thema Kinder und Erziehung. Kinderlose haben da leider schlechte Karten. Ich hoffe, ich konnte dies mit diesem Beitrag, den ich wohlbemerkt under the influence (zwei Gläser Rotwein nach einem Tag voller Gartenarbeit) geschrieben habe, etwas relativieren. Also, verzeihen Sie mir den einen oder anderen Fählär. Aber ich musste es noch heute Abend loswerden.

Frau DüneSieben und ihre sieben, nein, sechs Macken

So, nun aber mal. Echt jetzt. Frau Unterholzbewohner(in) hat zugeschlagen. Sie weiß noch nicht, dass ich praktisch Monate brauche, um so ein Stöckchen endlich mal anzuarbeiten. Ist nicht meins, dieses Stöckchen-Dingens.

1. Setze einen Link zu der Person, die Dir das Stöckchen zugeworfen hat.

2. Erwähne die dazugehörigen Regeln in Deinem Blog.

3. Erzähle von Dir sechs unwichtige Dinge/Gewohnheiten/Macken.

4. Gib das Stöckchen am Ende Deiner Antworten an 6 Leute durch Verlinkung weiter.

5. Hinterlasse bei der jeder der gewählten Personen einen Kommentar in ihrem Blog/Website, wonach Sie “getagged” wurden.

Okay:

1. Abgehakt.

2. Abgehakt. Oder?

3. Macken? Macken:

  • Ich tupper ständig um. Reste kommen in eine Tupperdose. Wird der Rest kleiner, wird immer wieder umgetuppert in kleinere Dosen. Ich kann nicht anders. Runs in the family. Machen meine Mutter und diverse Tanten genauso. (In Namibia ist Tupper ganz groß!)
  • Ich habe immer und überall ein Lip-Ice. Ha! Sie wissen nicht, was Lip-Ice ist? Tipp: In D wird es auch La.bell.o genannt. Ich bevorzuge aber auch nach fast 15 Jahren Eindeutschung immer noch das gute alte Lip-Ice. Von Zambuk (gelinkte Seite ganz runterscrollen, oder auch etwas länger verweilen - zum Schreien komisch, die angebotenen Produkte…) am besten. Ich trage es in Hosentaschen, Jackentaschen, in der Küche liegt eines, auf dem Nachttisch und auf dem Schreibtisch. Sie überstehen 40°C Wäsche und ich bringe sie mir immer in 10-er Packungen mit.
  • Ich wärme Teller vor. An sich nicht so schlecht. Aber manchmal übertreibe ich es. Davon zeugen zwei hellbraune Ringe auf dem Eßtisch.
  • Morgens trinke ich als erstes einen Instantkaffee mit gesüßter Kondensmilch.
  • Beim morgendlichen BroteSchmierMarathon wickel ich jedes Brot einzeln in Frischhaltefolie oder Butterbrotpapier ein. Ein Zwang sozusagen. Kommt daher, dass ich die gesamte Schulzeit jeweils ein Leberwurst- und ein Peanutbutter/Marmeladenbrot mitbekommen habe. Manchmal auch Apfelschnitzer (nur manchmal, weil früher - und in Namibia sowieso - hatten wir es ja noch nicht so mit der Gesundheit und den Vitaminchen). Und alles packte meine Mutter in EINE Dose. Und es schmeckte alles gleich. Dass möchte ich meiner Familie nicht antun. Aber anstatt mich zu loben, mokieren sie sich über die alles einzeln einwickelnde Mutter. Pah!
  • Diese Macke wurde ja schon ausführlich besprochen. (Brote werden allerdings nur im äußersten Notfall nie beschriftet.)

4. Ich schmeiße ungern mit Stöckchen oder anderen Dingen um mich. Außerdem ist dieses Stöckchen doch jetzt schon fast überall bearbeitet worden, aber wer eine Stöckchen-Macke hat: Bitteschön, ich freu mich! 5. Sie sagen mir dann Bescheid, ja? (Puh, geschafft und hat gar nicht mal so sehr wehgetan.)

nun sind sie weg

Schön, so ein grauer Dienstagmorgen in Schleswig Holstein, wissend, dass die Kindelein in die Sonne fahren. Der Abschied war okay, ich habe mich sehr zusammengerissen. Töchterlein wollte immer wieder und wieder umarmt werden, Sohnemann ertrug die Abschiedsszene mit stoischer Miene, allein beim Einsteigen in den Zug nochmal ein leicht blasser, hilfesuchender Blick in meine Richtung. Ich sehe im Geiste Töchterlein hinter dem Zugfenster noch winken wie eine Windmühle und Sohnemann nervös um sich schauen, wer sich denn neben ihn setzt. Ich sehe auch das Mädchen mit der roten Jacke, so bitterlich weinend. Und die Mutter ganz tapfer Kusshändchen werfend.

Nun sind sie weg und was nicht beschriftet vergessen ist, ist halt nicht beschriftet vergessen. (Ich hatte noch kurz daran gedacht, den Edding mit zum Bahnhof zu nehmen. Man weiß ja nie. Ich kann mich aber zum Glück im richtigen Moment zusammenreißen. Naja, meistens. Allgemein bestaunt by the way, wurde die Tatsache, dass außer meinen Kindern nur noch zwei andere ein Namensschild an der Tasche hatten. Da sehen Sie mal, meine Damen und Herren…)

Jetzt ist Ruhe bis Samstag und ich habe Zeit, mich mal ganz auf meine Große zu konzentrieren. Aufatmen!

Beschrifteritis

Alles, was morgen dieses Haus verlassen wird und mit auf die Klassenfahrt geht, wird mit Namen versehen. Duschgel, Shampoo, die Zahnbürste, Taschenlampe, natürlich sämtliche Klamotten, die Gummistiefel und so weiter. Mein wasserfester Edding ist voll im Einsatz. Die Große lacht sich scheckig, denn sie ist vor zwei Jahren auch bis aufs Zahnfleisch beschriftet, auf Klassenfahrt gefahren. Mama hat damals sogar auf meine Packung Tem.po Taschentücher meinen Namen geschrieben. Gacker! Und das Zwillingstöchterchen unkt, dass ich ihren Wackelzahn, der in den nächsten zwei bis drei Tagen fällig wird, auch noch beschrifte. Gacker!

(Glück habe ich mit den Sachen, die noch von vor zwei Jahren beschriftet sind. Die Klassenlehrerin der Zwillinge war damals die Deutschlehrerin der Großen und somit bleibt es in der DüneSiebenFamilie.)

So, und jetzt muss ich weiter packen und beschriften. (Frau Unterholzbewohner - wenn das mal keine ausgewachsene Macke ist, oder?)

Zeit

Am Ende ist es immer die Zeit, die einem davonläuft.

Ich weiß seit Monaten, dass die Zwillinge morgen auf Klassenfahrt fahren. (Ja, heulen Sie mit mir, wenn es morgen um 9h06 heißt, meinen “Kleinen” hinterher zu winken.) Und fange trotzdem erst heute mit dem Packen an ich musste gestern Abend erst einmal zu einer Mutter fahren, da ich die Packliste verloren hatte. Shame on me.

Ich weiß auch seit vier Wochen, dass der Beratungstermin beim Arbeitsamt ansteht und ich dafür noch eine einige Unterlagen zusammensuchen muss.

Es ist auch nicht völlig neu, dass der Mann eine Ladung Kuchen mit in die Firma nimmt, wenn er Geburtstag hat.

Klartext: Ich vergrabe mich bis Mittwoch und dann sage, bzw zeige ich hierzu, hierzu und hierzu etwas.

Am liebsten würde ich mich jedoch in der Sonne zusammenrollen und schlafen, aber dieses Recht ist dem Samtpfötchen vorbehalten.

nur so

Der gestrige Tag ging DüneSieben-beitragslos dahin, was mit Sicherheit kein Verlust für die Menschheit ist. Nur ich fühlte mich so, als hätte ich etwas wichtiges nicht erledigt. Und damit der heutige Tag sich nicht auch noch beitragslos dem Ende nähert, hiermit den wenigen, die hier doch noch einmal langsurfen heute ein fröhliches cheers mit einem - na klar - südafrikanischen Chardonnay, den man auch bedenkenlos in der 3l Box kaufen kann. Sieht nicht so vornehm aus, aber man hat immer einen guten Wein auf Lager!

Haben Sie einen schönen Frühlingsabend da draußen!

was Zwillinge so machen

Sohnemann hat eine “Best of 2007″ CD zu Weihnachten bekommen. Davon habe ich gestern für die Zwillingsschwester ihre eigene Auswahl auf CD gebrannt. Nun hören sie in ihren jeweiligen Zimmern auf ihren jeweiligen CD Spielern das gleiche Lied. Ich bin parat, bei drei drücken wir beide pläij!

Und ich höre jetzt “Lucky Day” - um Millisekunden versetzt - parallel.

Südafrikanische Musik (1)

Neue Kategorie!

Da die namibische Musikszene nicht wirklich etwas zu bieten hat, die südafrikanische aber dafür um so mehr, möchte ich hier zunächst eben jene südafrikanische Musik vorstellen. Musik war für mich immer sehr wichtig. Ich wurde gequält bin aufgewachsen mit James Last oder Marschmusik am Sonntagmorgen. Bei schweren Opernchören oder Ivan Rebroff blieb mir das Frühstücksei im Halse stecken. Damals tobten die Rollings Stones, Abba oder wenigstens die Beatles und manchmal frage ich mich, wieso das nicht bei meinen Eltern ankam. Dass diese Musik nicht bis nach Namibia durchdrang, ist keine Entschuldigung, viele Eltern meiner Freunde hegten ihre Stones Mukke. Mein Vater ist zwar bis heute ein Jazzfan, aber dazu gab es in Namibia keinen Zugang und er beschränkte sich auf die abendliche Jazzsendung im Radio, die mit seiner Duschzeit übereinstimmte. Auch eine tolle Kindheitserinnerung, der unter der Dusche Jazz dudelnde Vater…

Meine Patentante hatte in Walvis Bay ein Elektro Geschäft, spezialisiert auf Elektrotechnik der Fischereiindustrie, bzw. der Fischerboote, aber auch mit einer großen Schallplattenabteilung. Erstens gab es immer feine LP Geschenke zu Weihnachten und zum Geburtstag. So hatte ich die ganze Bandbreite an Hanni und Nanni, Heidi, Huckelberry Finn, Black Beauty usw. zu Verfügung. Zweitens aber vor allem, habe ich in den Schulferien bei ihr im Laden gejobbt und kam so günstig an Musik. Auch meine Brüder haben ihr gesamtes Taschengeld in den Laden getragen und so hörten wir recht früh recht gute Musik und würgten fortan meine Eltern ab.

Meine Brüder sind vier und sechs Jahre älter als ich und haben ganz bestimmt meinen Musikgeschmack sehr geprägt. Mein großer Bruder führte mich in die Welt von Supertramp, Roxy Music und Alan Parsons Project ein seine Udo Jürgens Phase verschweigen wir jetzt mal. Mein jüngerer (aber dennoch älterer Bruder, Sie verstehen schon) war für die leichteren Sachen zuständig. Bob Marley, UB40 und Juluka werden mich immer an ihn erinnern.

Die neue deutsche Welle verfolgten wir im damals gerade ganz frisch gegründeten deutschen Radiosender und Hallo Klaus wurde die Entgleisung schlechthin mein Lieblingshit! Nein, dafür schäme ich mich jetzt nicht, ich habe ja irgendwann geschmackstechnisch die Kurve gekriegt… Wir haben ziemlich exakt die gleiche Musik gehört da unten im südlichen Afrika wie unsere Zeitgenossen hier oben in Deutschland. Nur beschränkte sich das bis Mitte der Achtziger Jahre halt aufs Radio und LP’s.

Ich fange in der jüngsten Vergangenheit an. Freshlyground hörte ich zum ersten Mal, als ich im März 07 in Namibia war. Hier gibt es eine gute Kurzbeschreibung der Band. Sie gewannen 2006 den MTV “Best African Act” Music Award in Kopenhagen. 2006 in Berlin, haben sie bei der Fussball-WM anlässlich der FIFA-Stabübergabe der deutschen an die südafrikanische Organisation, als kulturelle Vertreter des nächsten Veranstalterlandes, für die passende musikalische Untermalung gesorgt. Bestimmt werden sie auch den Hit für die Fußball WM 2010 in Südafrika liefern.

Großer Hit und vor allem in Italien sehr erfolgreich war Doo Be Doo, ein Ohrwurm schlechthin, den meine Kinder sehr lieben. Ich bevorzuge die ruhigeren Stücke auf der CD Nomvula. Was mich an der Musik fasziniert ist, dass sie nicht mehr so aggressiv afrikanisch ist, wie die Bands zur Zeit der Apartheid. Die Musik aus der Apartheids Ära konnte sich einem, mit ihren politischen Texten, ganz gut aufs Gemüt legen. Auch wenn diese Musik sehr wichtig war und auch sehr gut. Ich werde darauf in spätere Beiträgen eingehen. Freshlyground jedenfalls ist zwar afrikanisch folkloristisch geprägt, aber entspricht dem aktuellen positiven Zeitgeist Südafrikas. Zudem ist die Band ein Mix aus schwarz und weiß, die Sängerin, Zolani Mahola, ist farbig, anders könnte es auch gar nicht sein. Sie halt solch eine Leichtigkeit in der Stimme, die typisch ist für die dunkelhäutige Unbeschwertheit.

Hier ist ihr aktueller Hit “Potbelly”. Potbelly ist ein Bierbauch, eine Wampe. Besungen werden Potbelly, weiche, dicke Oberarme und fette Oberschenkel - die “good loving” geben. Und das sollten wir uns hinter Ohren schreiben, oder? Da ist er nämlich, der positive südafrikanische spirit. Hüftschwingend und fröhlich, trotz ein paar Kilos zu viel.

Haben Sie einen wunderschönen Tag!

Ihre Potbelly-DüneSieben

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