Archiv für Mai 2008

Sehr erfrischend

Die Große hat, ganz entgegen dem Trend bei elfjährigen Mädels, überhaupt kein Interesse an Germany’s Next Top(f)model. Sie findet das Ganze total uninteressant und irgendwie hohl. Das erklärte sie mir heute Morgen, nachdem ich ihr wiederum in Kürze das wiedergeben wollte, was ich gestern Abend in den letzten 40 Minuten davon gesehen hatte. Mama, das kannst du dir sparen.

An die jungen Mütter da draußen

Angeregt durch die Erlebnisse mit zwei Kleinkindern bei June, schreibe ich dieses.

Liebe junge Mütter,

lasst es Euch von einer alten erfahrenen Mutter sagen: Es geht schneller um, als frau meint. Die Zeit, immer wieder die Zeit. Ihr steckt so mittendrin in wickeln, stillen, Fläschchen geben und Rotz abwischen. Ihr werdet um den Schlaf gebracht und verzweifelt, wie schnell die Stunden verfliegen, ohne etwas Konstruktives geschafft zu haben. Ihr schlagt Euch durch Erziehungs- und Schlafratgeber und seid am Ende doch nicht schlauer. Immer auf der Suche nach der ultimativen Antwort, dem Rat, der Euch die Sorgen und Nöte abnimmt.

Nun lasst Euch mal erzählen, wie es bei mir „damals“ war: Ich hatte ein quirliges, lebhaftes, leicht eigenwilliges knapp über ein Jahr altes Mädchen, als sich die Zwillinge ankündigten. Ihr könnt Euch vorstellen, dass es mit einem verschluckten Walroß Zwillingsbauch bei weitem anstrengender ist, eine dann Eineinhalbjährige bei Laune zu halten.

6 Wochen nach Geburt der Zwillinge wurde die Große zwei. Fast ein Jahr hatte ich also 3 Wickelkinder. (Ja, die Große wurde relativ spät „trocken“, ich habe es aus Zeitmangel – ach ja? – einfach versäumt). Das war die Phase, in der Ihr jetzt seid. Die Zeit des ewigen Schlafmangels. Die Zeit, in der ich, hatte ich jemand, der/die auf die Brut aufpasste, mir Ohrenstöpsel reindrückte bis zum Anschlag und dennoch hypernervös jedes leichte Ein- und Ausatmen der Kinder mitbekam. Und nur extrem schmerzende Ohren und trotzdem nicht geschlafen hatte. Ich muss ziemlich unausstehlich gewesen sein in der Zeit.

Wir wohnten damals in einem Reihenhaus mit einer Hühnerstall-ähnlichen Treppe und der Gang zwischen Schlafzimmer und Zwillingszimmer war schmal, sehr schmal. Wenn ich des nachts zwischen den Zimmern hin und her taperte, hatte ich immer diese Vision, dass ich im Halbschlaf diese Treppe runterknalle, unten an dem scharfkantigen Schuhhalter mir den Kopf aufschlitze und tot bewusstlos liegenbleibe. Deshalb habe ich mich stets mit einer Hand an der Wand lang getastet. Eine der vielen Klatschen, die man mir aus dieser Zeit nachsagt.

Es war anstrengend, es war schlaflos, es waren Berge und nie enden wollende Berge von Wäsche, es waren gefühlte tausend Fläschchen, die ich jeden Tag zubereitete, es waren harte Placken angetrockneter Griesbrei auf dem Küchenboden, es war zu wenig Zeit mit dem Mann und Streit in Erziehungsfragen mit den Schwiegereltern, es war Geschrei und immer dieses Gefühl ich kann nicht mehr. Ich kann wirklich nicht mehr. Und doch ging es immer weiter, dieses Karussell.

Es drehte sich sogar noch wilder, oder setzte manchmal komplett aus, das war schlimmer. Ein Aussetzer in unserem Karussell, war mit Sicherheit die Hydrocephaluserkrankung des Tochter-Zwillingskindes, als sie ein halbes Jahr alt war. Eine zusätzliche Sorge. Aber auch der Zeitpunkt, an dem ich, wir, uns als Familie und die Kinder insbesondere, besonders zu schätzen lernten. Einfach mal den Moment, in dem alles so (halbwegs) stimmt, genießen. Ihn festhalten und speichern für später.

Diese intensive Zeit hat ihre Spuren bei mir hinterlassen. Später, als die Kinder schon etwas größer waren (die Große 3,5 und die Zwillinge 1,5) hatte ich eine Phase. Eine Phase, wo ich grundlos anfing zu weinen und nicht aufhören konnte. Ich erinnere mich noch genau an eine bestimmte Situation beim samstäglichen Frühstück: Alle sitzen am Tisch, die Kinder essen mehr oder weniger erfolgreich selbst, es läuft eigentlich ganz gut, klar – chaotisch, schmierig, laut und hektisch ist es, aber gemessen am Alter der Kinder, läuft es ganz gut. Und plötzlich fängt der Tisch an zu wanken, das Eßzimmer dreht sich, Kakaotassen kippen um, Kinder schreien in den höchsten Tönen und alles verschwimmt vor meinen Augen. All das ist nicht wirklich passiert, aber ich hatte diese „Zustände“. Bin heulend aufgestanden und habe mich über Stunden nicht beruhigt. Mein Mann war ratlos, meinte immer nur auf mein gestammeltes es ist alles zu viel, zu schlimm, zu laut! Aber das Schlimmste haben wir doch schon geschafft.

Es war mir in meinem Anspruch jedoch nicht genug, das Schlimmste schon geschafft zu haben. Ich kam mir ungenügend vor. Und das obwohl ich von meinem Umfeld in den höchsten Tönen gelobt wurde. Für meine gute Organisation und für meine ruhige Ausstrahlung. Die können nicht mich meinen, dachte ich immer nur. Und heute weiß ich genau: das WAR ich, ich hatte alles gut im Griff, ich war gut organisiert, habe mir viele und die richtigen Gedanken gemacht. Es war der beste Tag, an dem ich alle Erziehungs- und blabla Ratgeber in einen Karton gepackt habe und angefangen habe, mit meinen Kindern zu leben.

Und jetzt sitze ich hier, es ist alles still, die Große ist auf dem Gymnasium, die Zwillinge reihum Klassensprecher und gerade gestern hat mich die Lehrerin angesprochen, weil die beiden so eine gute soziale Kompetenz haben. Ich habe es gewuppt. Ich habe sie groß bekommen. Ich habe sie sogar gut groß bekommen. Ich habe getan was ich konnte und tue es immer noch. Es ist meine Rolle, die ich lebe, die Mutterrolle. Die Tage gehen so schnell und reihen sich zu Wochen, Monaten, Jahren. Versucht, sie festzuhalten und zu genießen. Ihr macht es alle gut. So gut wie man frau es eben kann.

Eben hier

40 000 Besucher. Wahnsinn. Und das, wo es doch hier meist nur so palim-palim zugeht.

(Zu Ehren der Besucherzahlen, nun eine neue Kategorie: Palim, Palim!)

Meine Art von Rekonvaleszenz

Morgens um 7h00 durch dieses verdammte Buch blättern, an den Feigen-Haselnuss-Muffins hängenbleiben, sie backen und wenig später zusammen mit einem spanischen Kaffee (Kaffee mit gesüßter Kondensmilch) aus meinem most-favourite Kaffeebecher (mit dem Text von „N’kosi Sikeleli Africa“ drauf) und der most-favourite Orangenmarmelade genießen.


Montagsschnipsel

12h47 und ich habe noch nicht geduscht. Muss ich jetzt schleunigst machen, bevor die Zwillinge aus der Schule kommen.

Feldsalat und Tomaten halten nicht mal 3 Stunden im Gefrierschrank aus. (Die Nachbarin war netterweise am Samstag für uns einkaufen und das zu dem Zeitpunkt allein zu Hause verweilende Tochterkind verstaute eifrig und wie bei der alles einfrierenden Mutter abgeguckt. Feldsalat, Tomaten und Aufbackbrötchen sind daraufhin im TKSchrank gelandet. Überlebt haben nur die Brötchen.)

Ich hätte nie gedacht, dass man sich auch in einem so regenreichen Land wie Deutschland mal über Regen freuen kann. Tun wir aber, seid gestern Abend, als es anfing, sanft zu regnen und nun den ganzen Tag so weiter geht. 4000l Regenwasserzisterne waren leer, es hatte seit gut 3 Wochen keinen Tropfen geregnet und der Rasen war schon ganz braun. Vor allem freut einen das, wenn ab morgen wieder Sonne und sommerliche Temperaturen angesagt sind.

Bei Regen liest es sich auch besser, mit der Katze an der Seite.

Apropos Katze: Ich würde ja mal gern wissen, was den Kater so dermaßen anstrengt…

Verträge…

… dürfte ich nicht unterschreiben. Mit diesen Worten wurde ich gestern entlassen. Schmerzen habe ich keine, nur die Nachwirkungen einer weiteren Narkose 3 1/2 Monate nach der letzten spüre ich. Alle paar Stunden kommt so eine dunkler Umhang und hüllt mich in Tiefschlaf.

Ich danke für positive Gedanken und Wünsche, in den Kommentaren, per Mail, SMS oder einfach nur  telepathisch. Jeder einzelne kam an.

(Und Frau Wortteufel ist wieder da! Juhu!)

Großmut

Wenn ich im dutyfree shop an einigen meiner Lieblingsparfüms vorbeilaufe und lediglich dem DüneSiebenMann ein aftershave mitbringe, dann fühle ich mich geradezu überaus großmütig.

Bloggen über das Bloggen…

… ist etwas, das ich an sich ungern tue. Doch es kamen in den letzten Tagen einige Beiträge rund um das Bloggen auf und nun folgt mein Sermon.

Ich blogge nun seit knapp über zwei Jahren. Und stelle bei den Fragen von Frau Unterholzbewohner fest, dass auch ich immer noch nicht den Freischwimmer in Sachen Bloggen habe. Ihre Frage nach Regeln beim Bloggen kann wohl keiner so richtig beantworten. In meinem Kopf gibt es die „Profi-Blogger“, bei denen jedes Wort sitzt, messerscharf. Die nicht so palim-palim über den Alltag bloggen, wie die meisten von uns „Hausfrauen-Bloggern“. Ich nennen uns einfach mal Hausfrauen-Blogger, damit möchte ich keinem auf die Füße treten und beziehe auch die Berufstätigen-mit-Kindern mit ein. Wir, die eben über das Alltagsgeschäft (meistens mit aber auch manchmal ohne Kinder) bloggen. Ich fühle manchmal buchstäblich, wie die Profi-Blogger (oft schon viele Jahre dabei) müde über uns lächeln. Und dann will ich das Bloggen eigentlich ganz an den Nagel hängen…

Bloggen ist ein Strudel, in den man hineingerät. Es ist nicht nur das bloggen an sich, es ist nach einer Weile auch das ganze drumherum. Wer kommentiert bei wem? Wer trifft sich mit wem? Bei wem liest man heraus, dass er bestimmte Blogger favorisiert? Wer hat außerhalb des Blogs Kontakt mit wem? Bei wem kommentier ich regelmäßig, ohne jemals ein Gegenkommentar zu ergattern? Das sind so Aspekte, von denen ich mich eigentlich frei machen möchte. Aber das gelingt oft nur bedingt. Davon lebt das Bloggen schließlich, es belebt das Geschäft, das Verlinken, Kommentieren, Zitieren und Themen aufgreifen und in mehreren Blogs gleichzeitig bereden. Davon kann sich kaum jemand frei machen, wir sind doch alle leicht narzistisch veranlagt. Manchmal schreibe ich etwas und unbewusst rechne ich zu bestimmten Themen von bestimmten Leuten mit einem Kommentar. Und spüre schon eine kleine Enttäuschung, wenn es ausbleibt. Es wäre unehrlich, das nicht zuzugeben. Ich weiß von einigen, die hier regelmäßig lesen und ganz wenig kommentieren, aber wenn etwas ist, dann merk ich, dass sie an mich denken. Und das tut gut. Das macht das Bloggen nicht mehr nur virtuell, sondern fast real. Darum an dieser Stelle vielen Dank für die guten Wünsche von Euch! Es bedeutet mir viel, sehr viel. (Kleiner update zu dem Thema: Ich bin bei mindestens zwei Ibu.prufe.n am Tag und warte einfach auf Freitag und was dann wirklich alles „gemacht“ wird. Und glaube auch ganz fest daran, dass die harmlosere Variante eintreten wird.)

Das wichtigste beim Bloggen, ist das man sich selbst treu bleibt. Man verändert sich, klar, wenn ich jetzt meine ersten Einträge lese, knirsche ich leicht mit den Zähnen. Damals habe ich meinen Kindern noch Pseudonamen gegeben. Das habe ich ganz schnell aufgehört, inzwischen sind sie die Große, Sohnemann und Tochterkind. Ich finde es immer wieder interessant, dass die Blogs, die ich am liebsten lese, oftmals gerade nicht die Kultblogs sind, die nicht jeden Tag einen witzigen Eintrag präsentieren und die einfach nur von ihrem Alltag berichten. Und das auf eine konstante, ruhige Weise. Der Alltag und wie man/frau darüber berichtet, das Leise zwischen den Zeilen oder auch das laute Aufregen über die kleinen, nervigen Begebenheiten, davon lebt das Bloggen.

Ich habe mir neulich die Frage gestellt, aus welchen Gründen ich mit dem Bloggen aufhören würde. Und ich meine, richtig aufhören, nicht die eine oder andere Pause, die wir uns alle manchmal gönnen. Der Zeitfaktor ist natürlich ein wichtiger Aspekt. Es kostet nun mal einfach Zeit, Blogs zu lesen, zu kommentieren, selbst zu schreiben. Momentan brauch ich diesen Implus noch, aber hege meine Zweifel, ob ich das in Zukunft, bei Wiederaufnahme der Berufstätigkeit, noch leisten kann. Ein Grund, mit dem Bloggen auf zu hören, wäre, wenn die Kinder sich damit unwohl fühlen. Mich beschleicht schon jetzt manchmal ein fragendes Gefühl, wie Kinder sich fühlen, wenn sie Jahre später über jeden Schritt und Tritt (von Geburt, ach was, von Schwangerschaft an!) ihrer Entwicklung nachlesen können.

So viele offene Enden.

Rechtschraibung

Wenn Sohnemann auf meinen Einkaufszettel anschpiza schreibt, habe ich die allergrößte Mühe, da nicht irgendwas von Pizza oder zumindest einem jüdisches Gericht rauszulesen.

Hitze

So. Sie meinen also zu wissen was Hitze ist. Die „Hitze“ die hier zur Zeit oder manchmal im Hochsommer herrscht. Auch ich meine bisweilen, dass es hier heiß ist. So wie neulich, als ich mittags um zwei mit der Nachbarin ein Pläuschchen über den Zaun gehalten habe und wir uns einige waren, dass es ja für Mai wirklich ungewöhnlich heiß sei. (Ja, wir hier im Norden sind mal am heißeren längeren Ende, kann mich kaum an eine so lange, trockene und „heiße“ Phase im April/Mai erinnern). Jedenfalls wurde mir da mit der Nachbarin so bewusst, dass wir hier in Deutschland schnell sagen „mir ist so heiß“. Aber das ist nicht Hitze.

Hitze ist das, was man empfindet, wenn man an einem Januartag in Solitaire aus dem klimatisierten Auto steigt und das Gefühl hat, jemand würde einem eine Schraubwzinge um den Kopf legen und sie alle Minute enger stellen. Man meint, leicht zu wanken, bekommt ein Rauschen im Ohr (hallo Suchmaschine, das ist doch einer deiner Lieblingsbegriffe, mich zu finden!) und möchte die Augen zusammen kneifen, in der Hoffnung, das Gefühl für die Realität nicht zu verlieren. Eben noch am Meer, dem kalten Atlantik, gesessen, würzige Meeresluft bis in die Lungenspitzen inhaliert, abends ein kühles Bier oder einen „crisp south african“ Chardonnay getrunken und frische Austern geschlürft und jetzt das. Knapp drei Stunden Fahrt durch die Namibwüste, vorbei an ausgetrockneten Rivieren, über den grandiosen Kuisebcanyon geschaut und einige Tierkadaver gesehen, die sicherlich dem Wassermangel zum Opfer gefallen sind. Das alles schön komfortabel vom klimatisierten Auto aus, mit kühlem Wasser zu trinken und guter Musik im Ohr. (Musik wird während der Fahrt durch die Wüste übrigens um Längen intensiver, Pink Floyds Learning to Fly zum Beispiel, untermalt von staubigen Pads und flirrender Hitze, bekommt eine ganz andere Bedeutung).

Und dann Solitaire. Wenn man morgens früh in Walvis Bay oder Swakopmund losgefahren ist, wird es ungefähr elf oder zwölf sind, wenn einem da die Hitze wie eine Betonwand entgegenschlägt. Tödliche Zeit. Man wird mit großer Wahrscheinlichkeit die berühmte Dünenlandschaft Sossusvlei als Ziel haben. Kein normaler Mensch Namibier fährt im Januar nach Sossusvlei. Bei unserem Trip nach Sossusvlei in dem besagten Januar vor einigen Jahren trafen wir nur auf durchgeknallte (ob von der Hitze, oder vielleicht sowieso von der Grundhaltung, bleibt offen) amerikanische (wadder, give me some ice cold wadder!), schweizerische (ich bin diese Hitze einfach nicht gewohnt, odr?) und deutsche (leicht übergewichtig, rote Wangen, schnaufend, aber bemüht) Touristen. Es ist einfach zu heiß. Heiß, wirklich heiß. 45 Grad oder so. So heiß, dass man sich jeden Schritt überlegt und den Tag so plant, dass einem die Sonne nicht den Restverstand wegbratzelt man mit möglichst wenig körperlichem Aufwand möglichst viel Zeit im Schatten verbringt und dabei auch noch möglichst viel von der gigantischen Landschaft sieht.

Essen kriegt man dann nicht wirklich runter. Morgens greifen Beherzte gern zu Spiegeleiern, Speck und wohlmöglich auch noch Cowboy Beans (Dosenbohnen), die Zarteren laben sich an frischem Obst und Brötchen, die es überall in Namibia in guter Qualität zu kaufen gibt. Über Mittag am besten nur Biltong (um den Elektrolythaushalt aufzufüllen) und abends dann aber – aaahhh… Abends am prasselnden Feuer sitzen, immer noch mit kurzer Hose, versteht sich, zu grillen und ein kühles Bier zu zischen, das ist die Belohnung für einen Tag durch die Hitze gequält.

Nächste Seite »


c

DünenSpaziergänger

visitor stats

DünenBesucher

in Zahlen

  • 203,169