Bloggen über das Bloggen…

… ist etwas, das ich an sich ungern tue. Doch es kamen in den letzten Tagen einige Beiträge rund um das Bloggen auf und nun folgt mein Sermon.

Ich blogge nun seit knapp über zwei Jahren. Und stelle bei den Fragen von Frau Unterholzbewohner fest, dass auch ich immer noch nicht den Freischwimmer in Sachen Bloggen habe. Ihre Frage nach Regeln beim Bloggen kann wohl keiner so richtig beantworten. In meinem Kopf gibt es die “Profi-Blogger”, bei denen jedes Wort sitzt, messerscharf. Die nicht so palim-palim über den Alltag bloggen, wie die meisten von uns “Hausfrauen-Bloggern”. Ich nennen uns einfach mal Hausfrauen-Blogger, damit möchte ich keinem auf die Füße treten und beziehe auch die Berufstätigen-mit-Kindern mit ein. Wir, die eben über das Alltagsgeschäft (meistens mit aber auch manchmal ohne Kinder) bloggen. Ich fühle manchmal buchstäblich, wie die Profi-Blogger (oft schon viele Jahre dabei) müde über uns lächeln. Und dann will ich das Bloggen eigentlich ganz an den Nagel hängen…

Bloggen ist ein Strudel, in den man hineingerät. Es ist nicht nur das bloggen an sich, es ist nach einer Weile auch das ganze drumherum. Wer kommentiert bei wem? Wer trifft sich mit wem? Bei wem liest man heraus, dass er bestimmte Blogger favorisiert? Wer hat außerhalb des Blogs Kontakt mit wem? Bei wem kommentier ich regelmäßig, ohne jemals ein Gegenkommentar zu ergattern? Das sind so Aspekte, von denen ich mich eigentlich frei machen möchte. Aber das gelingt oft nur bedingt. Davon lebt das Bloggen schließlich, es belebt das Geschäft, das Verlinken, Kommentieren, Zitieren und Themen aufgreifen und in mehreren Blogs gleichzeitig bereden. Davon kann sich kaum jemand frei machen, wir sind doch alle leicht narzistisch veranlagt. Manchmal schreibe ich etwas und unbewusst rechne ich zu bestimmten Themen von bestimmten Leuten mit einem Kommentar. Und spüre schon eine kleine Enttäuschung, wenn es ausbleibt. Es wäre unehrlich, das nicht zuzugeben. Ich weiß von einigen, die hier regelmäßig lesen und ganz wenig kommentieren, aber wenn etwas ist, dann merk ich, dass sie an mich denken. Und das tut gut. Das macht das Bloggen nicht mehr nur virtuell, sondern fast real. Darum an dieser Stelle vielen Dank für die guten Wünsche von Euch! Es bedeutet mir viel, sehr viel. (Kleiner update zu dem Thema: Ich bin bei mindestens zwei Ibu.prufe.n am Tag und warte einfach auf Freitag und was dann wirklich alles “gemacht” wird. Und glaube auch ganz fest daran, dass die harmlosere Variante eintreten wird.)

Das wichtigste beim Bloggen, ist das man sich selbst treu bleibt. Man verändert sich, klar, wenn ich jetzt meine ersten Einträge lese, knirsche ich leicht mit den Zähnen. Damals habe ich meinen Kindern noch Pseudonamen gegeben. Das habe ich ganz schnell aufgehört, inzwischen sind sie die Große, Sohnemann und Tochterkind. Ich finde es immer wieder interessant, dass die Blogs, die ich am liebsten lese, oftmals gerade nicht die Kultblogs sind, die nicht jeden Tag einen witzigen Eintrag präsentieren und die einfach nur von ihrem Alltag berichten. Und das auf eine konstante, ruhige Weise. Der Alltag und wie man/frau darüber berichtet, das Leise zwischen den Zeilen oder auch das laute Aufregen über die kleinen, nervigen Begebenheiten, davon lebt das Bloggen.

Ich habe mir neulich die Frage gestellt, aus welchen Gründen ich mit dem Bloggen aufhören würde. Und ich meine, richtig aufhören, nicht die eine oder andere Pause, die wir uns alle manchmal gönnen. Der Zeitfaktor ist natürlich ein wichtiger Aspekt. Es kostet nun mal einfach Zeit, Blogs zu lesen, zu kommentieren, selbst zu schreiben. Momentan brauch ich diesen Implus noch, aber hege meine Zweifel, ob ich das in Zukunft, bei Wiederaufnahme der Berufstätigkeit, noch leisten kann. Ein Grund, mit dem Bloggen auf zu hören, wäre, wenn die Kinder sich damit unwohl fühlen. Mich beschleicht schon jetzt manchmal ein fragendes Gefühl, wie Kinder sich fühlen, wenn sie Jahre später über jeden Schritt und Tritt (von Geburt, ach was, von Schwangerschaft an!) ihrer Entwicklung nachlesen können.

So viele offene Enden.

16 Antworten zu “Bloggen über das Bloggen…”


  1. 1 stadtfrau 21. Mai 2008 um 8:43

    stimmt, ich empfinde bloggen auch als einen strudel, in den man hineingerät und der v.a. immer größer wird. neue blogs und kontakte kommen dazu und regelmäßig muss ich eine kleine pause machen und selektieren. ich denke, mittlerweile gehe ich das ganze recht cool an, ohne druck und ohne erwartungen.

    ich denke auch öfters darüber nach, ob es okay ist, über mein kind zu bloggen. komme aber immer zum schluss, dass er es mir später nicht übel nehmen wird. vielleicht hilft ja auch dir dieser text (gefunden bei anke gröner und die wiederum bei dooce): http://www.ankegroener.de/?p=2484

  2. 2 DüneSieben 21. Mai 2008 um 9:05

    Oh ja, das ist ganz wunderbar geschrieben von Dooce, ich bin da auch neulich drauf gestoßen. Und trotzdem… es bleibt oft dieses fragende Gefühl.

  3. 3 Kassiopeia 21. Mai 2008 um 11:04

    Ich unterschreib das genau so! Manchmal macht es mir Angst wieviel Zeit man ja doch eigentlich investiert. Aber wirklich jedesmal, wenn ich zweifle, lerne ich jemand ganz besonderes kennen. Und dann weiß ich wieder, warum ich damit anfing. Und ich denke, das Schönste ist, wenn man über die Grenzen hinaus, im “wahren” Leben zu Freunden wird.

  4. 4 charlottes&antonsmommy 21. Mai 2008 um 12:12

    Wunderschön geschrieben, direkt aus meinem Herzen. Dankeschön!

  5. 5 amidelanuit 21. Mai 2008 um 12:35

    ich möchte mich entschieden!! gegen die tendenz “kommentier ich bei dir kommentierst du bei mir” wehren. ich halte das für einen gemeinschaftsbloghausen stimmungskiller, von dem man darüberhinaus nicht sympathien ableiten sollte. ich lese viele viele blogs (u.a. hier) und kommentiere fast nie. das hat nichts mit desinteresse zu tun, sondern damit, dass ich kein “pipapo”-scheiss hinterlassen möchte, nur damit man sieht, dass ich da war. das wäre in meinen augen eine größere missachtung eines blogs, als wenn ich nicht kommentiere. in meinen gedanken bin ich trotzdem bei der sache. ich habe schon große probleme die kommentare in meinem eigenen blog angemessen zu beantworten und “muss” auch noch meinen eigenen blog am laufen halte – ich habe aber nur begrenzt zeit. die blogroll läuft übrigens in die gleiche richtung: bin ich auf einer oder nicht? ich habe schon überlegt meine abzuschaffen, weil sie defintitiv null repräsentativ ist, sie aber aus allen nähten platzen würde, wenn ich alles draufsetzen würde. also gibts seit vielen monaten einen status quo.

  6. 6 chrizzo 21. Mai 2008 um 12:45

    Da bin ich bei Ihnen, ich habe auch oft meine Zweifel.
    Da ich angefangen habe um besser mit realen Freunden und der Familie in Kontakt zu bleiben, und nicht mehr gefühlte hunderte Male ungefähr dasselbe in den Mails zu schreiben oder schlimmer nur noch zu kopieren, denke ich oft: Warum mach ich das eigentlich? Die trauen sich eh im Blog nicht zu kommentieren, aber dann kommen bei bestimmten Themen dann doch viele Mails von zu Hause und dann atme ich wieder auf.
    Ich glaube, wenn wir wieder zurück nach Deutschland gehen, werde ich aufhören.
    Vielleicht nach einer Übergangszeit mit Reflektionen über unsere Auslandsaufenthalte, mit Einträgen zu “wie doof ist _das_ denn hier, wenn einer mein Kind anblafft”.
    Und irgendwann kommt einfach kein neuer Eintrag mehr.
    So stelle ich mir das vor.
    (Und bin schon gespannt, wie es dann wirklich wird. ;-) Lesen werde ich hier und da wohl immer, habe das ja anderthalb Jahre vor meinem ersten Blogeintrag schon.)

  7. 7 Frau Antonmann 21. Mai 2008 um 1:46

    Ich bin eine beruftstätige, palim palim Alltaghausfrauenbloggerin mit Kindern. Das passt schon:))

  8. 8 stilke 21. Mai 2008 um 4:25

    ach liebe düne. zerbrech dir nicht so viel den kopf :-) (sonst tu ich das auch noch…)

  9. 9 DüneSieben 21. Mai 2008 um 7:16

    Schön, dass mich die meisten in etwa verstehen. Und nein, liebe Stilke, ich zerbrech mir nicht den Kopf, es sind nur so Gedanken, die mich schon lange bewegen.

    @Ami: Ach mönsch, nehmen Sie es doch nicht persönlich! Und ich empfinde es nicht als pipapo-Scheiß, wenn Leute mir in den Kommentaren Mut machen, gratulieren oder was auch immer. Und ein ganz klein wenig beruht das Kommentieren schon auf Gegenseitigkeit, natürlich nicht akribisch genau. Es ergibt sich doch auch von selbst, oder? Wenn ich Blogs gerne lese, kommentiere ich auch gern (ohne mich dazu zwingen zu müssen!) und im Umkehrschluss kommen Gegenkommentare, eben weil man Themen aufgreift, auf einer Wellenlänge ist, ähnliche Probleme hat, sich für einander freut, usw.
    Das mit der Blogroll ist bei mir genau so: viele Blogs, in denen ich regelmäßig lese, stehen da nicht mit drauf. Ja, vielleicht sollte man sie wirklich abschaffen. Ich für meinen Part bin überhaupt nicht beleidigt, nicht auf dieser oder jener Blogroll zu stehen.

  10. 10 sevenjobs 22. Mai 2008 um 8:07

    Frau Dünesieben, Sie haben im Schnitt doch mehr Kommentare als Herr Basic mit seinem in Deutschland bekanntesten Blog. D.h. Sie sprechen die Leute an mit Ihren Texten, wahrscheinlich weil sie so autentisch klingen.
    ich meine, bloggen und Kommentieren muss Spaß machen, dem Leser wie dem Schreiber.
    An den Texten, am Schreibstil merkt man doch auch meistens, ob der Schreiber hinter dem Artikel steht, und dann kommentiert man auch.
    bei den Kommentaren gelten für mich die selben Regeln wie im normalen Leben: ich möchte nicht zicken und nicht angezickt werden.
    Ich kommentiere da, wo ich persönlich betroffen bin, wo ich selber Erfahrungen zu habe, wo das Geschriebene einfach widerspruch verlangt. Klappe halten kann ich leider nicht so gut, weder im leben noch im Web. Dass das ein Geben-und nehmen-Kommentieren sein müßte, sollte, könnte, ist mir ehrlich noch gar nicht in den Sinn gekommen.
    Viele Grüße

  11. 11 Kassiopeia 22. Mai 2008 um 6:57

    Ach liebe DüneSieben,
    was ist denn jetzt plötzlich überall los?!

    Wenn es denn tatsächlich egal wäre, ob jemand kommentiert oder nicht, könnten wir ja auch Tagebuch schreiben. Seltsam wie das jetzt die Kreise zieht…

  12. 12 erinonline 25. Mai 2008 um 11:37

    ganz ganz toller text! kann ich nur unterschreiben!

  13. 13 KatjaW 25. Mai 2008 um 8:13

    Auch ich habe diesen Ansturm des Bloggen über’s Bloggen natürlich gelesen und mir Gedanken gemacht und auch überlegt, ob ich etwas dazu schreibe. Und jetzt Ihren Artikel gelesen, der es meiner Meinung nach aber so was von genau trifft, dass ich am liebsten einen Link setzen würde.

  14. 14 rebenwanderin 27. Mai 2008 um 8:12

    Liebe Düne, nur kurz zum Schluß Ihres Beitrags, der auch viel für mich spricht: sollten ihre Kids mal ein Probem oder Unbehagen haben, daß man über sie alles im großen weiten Internet lesen kann, dann schließen sie doch einfach DIESES blog – drucken natürlich alles vorher eifrig aus, lassen es für die Kinder als Erinnerung binden – und beginnen sie ein neues blog, mit demselben Namen, sodaß wir sie alle wiederfinden. Ich glaube, so würde ich das machen. :) Liebe Grüße, ich find’s schön, Sie zu lesen, egal ob bei ihnen, oder bei mir oder auch sonstwo :)
    Die berufstätige Hausfrauenbloggerin


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