Archiv für Januar 2009

Für die Exil-Namibier

Es ist schon merkwürdig, was man fernab der Heimat vermisst. Dinge, die einem selbstverständlich – weil alltäglich – sind, wenn man dort lebt. Und während ich eben so den Teig für die Kekse gerührt habe, abgemessen, gemantscht und genascht habe, hört ich nebenbei eine CD von David Kramer (die man met die rooi veldskoene), die ich mir bei Woermann, Brock in Walvis Bay (of all places!) gekauft habe. Und ich frage mich, ob meine Freunde, die noch oder wieder in Namibia oder Südafrika leben, ob sie wohl auch David Kramer hören würden? Wohl kaum. Das macht sicher die Sehnsucht, die Nostalgie mit mir. David Kramer ist übrigens einen eigenen Artikel in der Kategorie „Südafrikanische Musik“ wert. Bald. Erstmal der Reihe nach. Demnächst geht es weiter mit dem Namibia Bericht. Ich muß erst mal nachdenken. Und Kekse backen.

Hier, für alle nicht Südafrikanier, ein kurzer Einblick in die Welt von David Kramer. Er stand lange Jahre für die VW „Volksie“ Werbung in Südafrika.

in die Hände

Ich muß nachdenken. Darum back’ ich Kekse. Oh Cynthia Kekse.

Bald wieder mehr über Namibia. Ich springe hier gerade etwas im Dreieck mit Kindern, Perspektiven und meinem eigenen Ich.

In der Zwischenzeit etwas für’s Auge:

kokerboom2

Köcherbaum in der Nähe der Blutkuppe (Namibwüste)

Resultat

Also – die Friseuse heute sprang nicht so an auf mein: ich fühl mich so langweilig, angeklatscht und würde die Haare am liebsten raspelkurz schneiden. Stattdessen schlug sie einen kurzen Bob vor, mit dem ich gut leben kann. Denn kürzer geht ja immer noch. Hier eine kleine Fotoauslese. (Ich mag mich nicht selbst fotografieren, heute schon irgendwie gar nicht.)

So, und jetzt wenden wir uns wieder den wichtigen, weltverbessernden Dingen zu.

haariges

Ich gehe jetzt zum Friseur. Sensationelles gibt es nicht zu erwarten. Ich habe die Haare nun auf etwas länger als Boblänge gezüchtet. Eigentlich soll „nur etwas ab“. Aber ich kenne mich, vielleicht kriege ich einen Rappel und es wird (wieder) ratzekurz. Das würde meinem Turnus entsprechen: Zwei Jahre kurz, fast ein Jahr züchten, sechs Monate „lang“, ratzekurz schneiden lassen… usw. Ich lasse mich von mir selbst und den Worten, die aus meinem Mund kommen werden, wenn die Friseuse die Schemel zu mir ran zieht und flötet: na, was machen wir denn heute? überraschen.

(Das ist sehr palim-palim, einer der Beiträge, die die Welt nicht braucht, ich weiß. Sie hätte sicherlich gern meine „Sorgen“. Ich denke mit vielen guten Wünschen an Sie, liebe Frau…äh…Mutti.)

Immer wieder…

Befinden und Backflash in einem. Befinden – weil mich dieses Lied immer wieder auf’s Neue in gute Laune versetzt. Backflash – erinnert mich an eine tolle Zeit vor ein paar Jahren.

Robbie Williams „Me and My Monkey“ (Bitte tun Sie sich bei Gelegenheit den Gefallen, den Text durch zu lesen, oder durch zu singen, so wie ich heute Abend! – Liest sich wie eine shortstory) Hier ganz wunderbare Knetfigur-Version:

Ich ziehe allen Ernstes schon jetzt eine playlist für meinen 40. Geburtstag Ende April in Erwägung… Vielleicht bald hier eine neue Rubrik.

Beeindruckend

Gestern Abend war ich zu einem Dia Vortag in Hamburg. Über ein Pärchen, das 33 000 km mit Fahrrädern und Kajaks um den Polarkreis gereist ist. Es schlichtweg atemberaubend, der Bericht, die „Kleinigkeiten“ am Rande (wie es sich zum Beispiel anhört, bei -40°C auszuatmen und der eigene Atem sofort gefriert und zu Boden fällt!), die gigantischen Fotos, vor allem aber das Sympathische, die Lebensfreude und die innere Ruhe, die die beiden ausstrahlen.

Heimweh?

Sie fühlt mir hier ganz schön auf den Zahn. Ich fühle mich ertappt, irgendwie. Meine Gefühle in dem Beitrag sind herausgenommen aus etwas Ganzem. Das Vorne und Hinten fehlt. Und macht es wieder ganz und nachvollziehbar.

Die Sache mit dem Heimweh. Ich habe jahrelang behauptet, nie Heimweh zu haben. Eine gewisse Sehnsucht, mal mehr, mal weniger, aber wirkliches Heimweh, nein. Richtiges Heimweh macht einen krank und fertig. Habe ich richtiges Heimweh? Zur Zeit sicherlich. Es fällt mir sehr schwer, mich wieder einzufinden hier. So schwer, wie noch nie nach einem Namibia Urlaub. Ich sehne mich zurück. Einerseits weil es so schön war, andererseits weil noch vieles unausgesprochen geblieben ist und ich das Gefühl habe, eine wichtige Chance verpasst zu haben. Und damit muß ich klarkommen. Was mir hilft, sind meine Kinder, das Verständnis des DüneSiebenMannes, die Freunde hier und die Zeit. Ganz einfach die Zeit. Und ein Aufarbeiten von manchen Dingen, vor allem von den ungeklärten Dingen.

Ich habe immer den Stab gebrochen über meine Freunde, die auch außerhalb Namibias leben oder lebten und unglücklich sind. Ich habe gesagt So kann man doch nicht leben, mit ständigem Heimweh. Irgendwas macht Ihr ganz verkehrt. Ihr müsst die Vorteile sehen, in Namibia ist auch nicht alles Gold und gutes Wetter ist auch nicht Alles. Und das meine ich auch nach wie vor. Nur habe ich dieses Mal vielleicht ein wenig mehr Lunte gerochen. Ich habe gesehen und erlebt, wie meine Geschwister und Freunde und ihre Familien dort leben. Dass ein Leben dort gut (manchmal meine ich sogar besser) funktioniert.

Und nun sitze ich hier und stelle vieles in Frage. Das hat ja auch etwas Reinigendes. Ich bin hier zu Hause, ohne Frage. In Namibia sind meine Wurzeln, sicher, aber hier habe ich meine eigene Familie, mein eigenes Leben aufgebaut. Meine Großmutter war eine der ersten Einwanderer in das damalige Südwestafrika. Sie hat gekämpft um ein Leben dort, hat fünf Kinder geboren und aufgezogen, viele Jahre allein auf der Farm gesessen, während mein Großvater während des 2. Weltkriegs in Südafrika interniert war. Sie war eine starke Frau und ist eine Afrikanerin durch und durch geworden. Als junges Mädchen ist sie ins Land gekommen und im hohen Alter erst wieder in Deutschland gewesen. Es war ein Geschenk zu ihrem 70. Geburtstag. Sie war unglücklich wie nie in ihrem Leben, während ihres kurzen Aufenthalts hier. So sehr ist Namibia Teil von ihr geworden. Und sie hat immer gesagt Da, wo die Kinder geboren sind, da ist man zu Hause.  Ich kann das bestätigen. „Erschwerend“ (und das wird jetzt paradox klingen) kommt für mich nur, im Gegenteil zu meiner Großmutter, die ganze moderne Technik, mit Mail, SMS, Skype, schnellen Flügen usw. hinzu. Ich habe das Gefühl, ich bin überall, ständig mit allen in Kontakt. Und das ist nicht immer gut (für mich). Ich muss mich wieder finden. Ich muss das Gute für mich hier, das ich ohne Zweifel habe und immer haben werde, wieder sehen. Sehen können und sehen wollen. Dann bin ich wieder ohne Heimweh. Und dann ist Deutschland nicht nur eine Wartehalle für den nächsten Namibia Urlaub.

Heute ist übrigens ein guter Tag. Die Sonne scheint so intensiv, dass es mich in den Fingern gejuckt hat, die Fenster zu putzen. Ich bin mit Sonnenbrille Auto gefahren. Die Sonnenbrille hatte ich in Namibia das letzte Mal auf. Sie war noch ganz verschmiert und roch nach Sonnencreme. Ich habe sie geputzt und der Blick war wieder frei.

Alles wird gut, lieber Wortteufel. Und danke, für den Anstupser, denn ich bin nicht gern diejenige, die jaulend am Boden liegt.

Vom Ankommen und Weiterfahren

Wochen- ach was! – MONATElang freut man sich drauf. Auf den Urlaub, eben mehr noch – auf Namibia. Es ist nicht nur ein schnöder Urlaub, es ist ein Nachhausekommen. Wenn man von dort kommt und hier lebt, ist es eigentlich ein ständiges Überbrücken, ein Hangeln von Sommer zu Sommer, ein festes Augenzukneifen im Winter, ein ewiges Tage- und Nächtezählen, bis es dann endlich wieder so weit ist. Der Tag ist gekommen, wir fliegen los. Uns trennt nur noch eine fünfstündige Zugfahrt nach Frankfurt, das Flugzeug wird freudestrahlend erklommen, die Cabin Crew fast frenetisch begrüßt, die Gurte zugeclickt – es kann losgehen. Der DüneSiebenMann und ich prosten uns mit Gin Tonic und südafrikanischem Wein über die Kinder hinweg an. Wir haben es geschafft, wir sind auf dem Weg! Die Nacht schläft man nicht gut, ist auch egal, die Kinder beobachten auf der immer wieder eingeblendeten Landkarte den Weg, den wir schon zurückgelegt haben und den Weg, den wir noch vor uns haben. Sie haben glänzende Augen und sind zappelig ohne Ende. Das Frühstück kommt bei der Großen im Landeanflug fast wieder hoch, sie hat die Kotztüte im Anschlag, ist schweißnass-klebrig und hat eiskalte Hände. Ich rede beruhigend auf sie ein einatmen, ausatmen, tief und ruhig atmen und irgendwie vergesse ich dadurch die sonst übliche Rührung beim Landen. Wenn das braune (dieses Mal schon erstaunlich grüne!) Land unter einem dahinflitzt und Gestalt annimmt, wenn man erste Riviere und Farmpads, Dämme und Farmhäuser ausmachen kann. Wenn ich die Straße von Windhoek nach Hosea Kutako erkennt und weiß, dass die Familie sich just in diesen Minuten da befindet, um uns abzuholen. Dann schießen mir normalerweise die Tränen in die Augen, aber das macht nichts, ich habe eine Sonnenbrille auf, schon dann ist es grell im Flugzeug.

Und dann haben wir namibischen Boden unter den Füßen. Obwohl es früher Vormittag ist, sticht die Sonne, man befürchtet, sich auf den drei Minuten vom Flugzeug ins Gebäude, den Scheitel zu verbrennen. Tourielike machen wir Fotos von uns übermüdeten „Gerries“ vor dem Flugzeug. Es ist uns nicht peinlich. Zu lange haben wir gewartet auf diesen Moment. Alles liegt vor uns.

Im Flughafengebäude wie immer lange Schlagen bei der Passkontrolle. Viele Touristen haben vergessen, die super schlecht kopierten „arrival forms“ auszufüllen, im Flugzeug wurden sie auch nicht verteilt. Dumm für die, die nun im Stehen mit Pass, arrival form und Kugelschreiber hantieren. Die Kinder sind sehr stolz, erstmals die eigenen Pässe vorlegen zu können.

Auch die Gepäckausgabe zieht sich ewig… Es sind schließlich auch zwei „international flights“ (wir und Cape Town) gelandet. Afrika halt. Wir bleiben ruhig und kommen mit interessanten Leuten ins Gespräch. Ein Pärchen ist mir in Hamburg auf dem Bahnhof schon aufgefallen ah, die sehen auch aus, als ob sie nach Namibia fliegen und tatsächlich, wir treffen uns am ewig eiernden Gepäckband wieder. Doch schließlich nach einer Stunde haben wir alle Gepäckstücke beisammen und dann fallen sich blasse, übermüdete und knackige, frische, sonnengegerbte Familienmitglieder in die Arme.

Die Fahrt vom Flughafen nach Windhoek dauert etwa 20 Minuten, auch auf dem Parkplatz herrscht afrikanisches Chaos, da sich gefühlte 1 000 Autos durch nur eine Parkticketkontrolle quetschen. Gelassen bleiben ist hier das Motto. Wir werden noch viele solche Situationen erleben, angefangen bei der dauerhaften Verkehrskontrolle zwischen Walvis Bay und Swakopmund.

Bei unserer ersten Anlaufstelle wartet ein himmlisches brunch auf uns: frische Melone, allerbeste Brötchen, herrliches Rauchfleisch und Simonsberg Camembert. Selbstgemachtes Kaktusfeigengelee und frische Feigenmarmelade. Es gibt Säfte und natürlich das erste Bier (gebraut nach deutschem Reinheitsgebot) und Sekt. Wir sind im Paradies. Die Kinder hüpfen sofort ins Schwimmbad mit den Cousins und Cousinen, alle reden durcheinander, alle schweigen plötzlich, grinsen sich an und prosten sich zu. Wir sind wieder da!

So langsam dringt Namibia zu mir durch. Der heiße Boden, die auch in Windhoek immer leicht staubige, trockene Luft. Der Himmel ist knallblau, ab Mittag türmen sich die Wolken, die höchstens ein kurzes kräftiges Gewitter am Abend bringen, aber einem nicht die gute Laune verderben.  Es kriecht mir unter die Haut, ich bin glücklich.

Die ersten zwei Tage verbringen wir bummelnd in Windhoek. Sind aufs Neue erstaunt, welch ein Wohlstand dort herrscht, unendliche Einkaufsmöglichkeiten, für uns mit dem starken Euro natürlich sowieso sehr gute Voraussetzungen. Und wieder haben die Straßenverkäufer es mir gleich von Anfang an angetan. Ich erstehe erste kleine Perlentiere und -schlüsselanhänger. Wir essen ein herrliches leichtes Mittagessen: Avocado Ritz, mit Thunfisch gefüllte Avocadohälften, dazu ein Rock Shandy – genau richtig, nicht zu schwer in der Hitze. Schon immer da gewesen, aber trotzdem immer wieder putzig: die deutschen Schilder und restlichen deutschen Straßennamen. So etwas fiel mir gar nicht auf, als ich selbst in Windhoek lebte, jetzt fotografiere ich es sogar.

Nach zwei unbeschwerten Tagen heißt es dann weiterfahren, an die Küste, zu meinen Eltern. Wir fahren mit einem shuttle, eine wunderbare Einrichtung, die in der Vergangenheit fast ausschließlich von Schwarzen genutzt wurde, jetzt aber auch stark von Weißen frequentiert wird. So sitzen wir im Bus und lassen die Landschaft an uns vorbeiziehen. Es wechselt von Buschlandschaft zu karger werdender Wüstenlandschaft, schließlich die Dünen und das Meer. Die Fahrt gibt uns die Gelegenheit, schon Erlebtes Revue passieren zu lassen und sich auf die lange Zeit, die noch vor uns liegt, zu freuen.

(viele Fotos aus dem fahrenden Auto geschossen)

Eine Portion Sonne, bitte!

Ich gehe am Stock. Es ist zwar „erst“ der vierte Tag ohne Sonne, aber gerade weil ich Sonne in voller Dosis hatte, zehrt dieses Graue, Trübe und Nass-Kalte unglaublich an mir. Ich sehne mich nach Licht, blauem Himmel, Luft und Sonne. In etwa so:

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