Mein Augenekzem drückt mir so richtig auf die Seele. Ich habe es in Etappen schon seit mehreren Jahren, es bricht alle paar Monate aus und wird mit jedem Mal schlimmer. Heute fühle ich mich, wie hier beschrieben, einfach nur völlig neben der Spur. Ich sehe aus (und fühle mich auch so), als hätte ich einen derben Sonnenbrand auf den Augen, inklusive einem juckend-brennendem Gefühl. Das motiviert nicht gerade. Gestern bin ich trotzdem hoch erhobenen Hauptes meinen Gang gegangen, mit zwei Terminen und ich war so stark, diese Termine durchzuziehen und erlag nicht der Versuchung, mich erklären. Nein, ich wurde nicht geschlagen, nein, ich habe nicht die ganze Nacht durchgeheult und nein, die ganze Nacht durchgezecht habe ich schonmal gar nicht. Heute jedoch fühl ich mich so „mi-mi-mi“…
Nach einem kleinen Mißerfolg heute Vormittag, einer mittelprächtigen Auseinandersetzung mit der pubertierenden Tochter heute Mittag, ging ich eben in die Speisekammer, um mir mit einem Stück Schokolade ein wenig Trost zu verschaffen. Dort stand die jüngere Tochter. Dieses Kind, das selbst schon so viel mitgemacht hat und deswegen eine gewisse Weisheit hat. Und sie schaute mich so an, au, Mama, du siehst gar nicht gut aus. Und da öffneten sich die Schleusen bei mir. Buh-hu-hu heulte ich auf die Schulter der Tochter, die, um einen besseren Überblick des Naschieangebots zu haben, für mich praktischerweise auf dem Tritt stand. Ihr Schulter so richtig schön auf meiner Ausheulhöhe. Und plötzlich textete ich sie zu. Wie dieses Ekzem mich heute behindert und belastet. Wie matschig und müde ich bin und dass sich vom ständigen Augenaufreißen, um irgendwas sehen zu können, schon Kopfschmerzen ankündigen. Und dass ich später noch einkaufen muss und dafür sicherlich eine Sonnenbrille aufsetzen werde, obwohl die Sonne heute nicht scheint. Plötzlich wurde mir bewußt, wie hilflos sich schaute. Ich riss mich schnell zusammen und murmelte etwas von geht schon. Ich glaube, sie war sehr erleichtert, ihre Schulter wieder zu haben und die Speisekammer verlassen zu können. Die Geschwister, die gerade am Eßtisch Schularbeiten machte, guckten neugierig (sie sehen Mama nicht so oft heulen) und betroffen.
Und ich überlege: wie viel von dem eigenen Seelenchaos darf man seinen Kindern zumuten? Ich rede oft sehr offen mit meinen Kindern, über meine Gefühle und teilweise auch über meine Ängste. Gerade jetzt, wo Herr DüneSieben zwei Wochen im Urlaub war, ertappte ich mich bisweilen dabei, mit ihnen fast wie mit Erwachsenen zu sprechen. Was ja an sich gut ist – doch die Gratwanderung ist schmal. Meine Kinder wissen meistens, wenn mich wieder eine Heimwehwelle überspült hat. Dieses Namibia-Dingens können sie, neben Herrn DüneSieben natürlich, ja sowieso am besten nachvollziehen. Und da ich die Nachmittage mehr oder weniger den Kindern widme, sprich wir sehr viel zusammen sind, kriege ich viel von ihnen, sie aber viel von mir mit. Wie belastbar sind Kinder mit zwölf und zehn Jahren? Wie viel können sie verarbeiten und wie viel landet unverdaut in der „hinterläßt ein mulmiges Gefühl“-Schublade? Ich glaube, dass ich meistens das richtige Gespür dafür habe. Hinzu kommt, dass Kinder überall unsichtbare Antennen haben und vieles aufnehmen, ohne dass man es aussprechen muss. Oftmals reicht es schon, dass ich sehr ruhig bin und nicht wie meistens, die alberne peinliche Mutter gebe. Jedenfalls wird mir in den letzten Monaten sehr bewußt, dass meine Kinder groß werden, fast richtige Menschen sind sie. Und das finde ich ganz wunderbar.


















Spuren im Sand