Archiv für Juni 2009

Geister scheiden sich

Wir haben seit einiger Zeit eine neue Anlage und – vor allem – neue Lautsprecher. Was für ein Unterschied, was für ein Genuss. Man findet uns jetzt abends bis Sonnenuntergang Campari-Orange-schlürfend auf der Terrasse und danach mit geschlossenen Augen verzückt mittig zwischen den Boxen guter Musik lauschend.

Und wieder stelle ich fest – Pink Floyd bleibt genial, vor allem natürlich aus guten Boxen. Und wieder die Erkenntnis: Es gibt Menschen und es Pink Floyd-Ablehner. Ich bin (Pink Floyd) Mensch, diese Musik ist Teil meines Lebens. Es erinnert mich an die erste große Liebe, es erinnert mich an Nebel in Swakopmund, an lange nächtliche Autofahrten zwischen Kaptstadt und Walvis Bay, es ist für mich Kapstadt mit allen Fasern und allen durchlebten und durchlittenen Höhen und Tiefen. Ich bekomme einen bestimmten Geruch in die Nase und einen bestimmten Geschmack auf der Zunge. Ich sehe mich mit der Freundin im Hamburger Schanzenviertel nachts um 3 Uhr im Dunklen auf dem Wohnzimmerboden liegen, nur Kerzenlicht und „Wish you where here“ vom Plattenspieler, so intensiv haben sich diese Zeilen in meine Erinnerung eingebrannt:

We’re just two lost souls swimming in a fish bowl
year after year
running over the same old ground
what have you found? The same old fears.

(Herr DüneSieben ist erst jetzt, durch die neue Anlage, Pink Floyd-Liebhaber geworden. Fragt sich nur, wie er vor gut 14 Jahren durch die Kontrolle gekommen ist?)

Kieler Woche

Es ist der Höhepunkt im Kieler „social calender“ schlechthin. Aber immer ist irgendwas, wenn Kieler Woche ist. Zweimal bin ich schwanger über die Kieler Woche gewatschelt, dann oft mit Zwillingswagen, Buggys, Kinder an der Leine Hand, später dann mit Edding dick auf den Arm geschriebener Handynummer, falls eines der Wuselmotten verloren geht. Nur einmal, zum Glück, ist uns für 10 Minuten ein Kind, die Große, abhanden gekommen. Verträumt ist sie irgendwo stehen geblieben und zugeschaut, während wir weiter gegangen sind.

Es ist immer ein Abwägen: Gehen wir tagsüber mit den Kindern, stehen stundenlang an, nur damit die Kinder dann 5 Minuten Trampolinspringen oder Hochseilgarten-Klettern können? Schieben wir uns durch die Massen? Gehen wir ganz früh, oder eher später? Was tun, wenn – wie so oft zur Kieler Woche – der Himmel sich plötzlich öffnet und es in Strömen regnet? Haben wir nach einem Kindertag auf der Kieler Woche abends noch die Kraft und Energie, uns ein Konzert anzutun?

Aber auch hier wird es langsam entspannter. So entspannt, das ich mich neulich, als ich mit meinem beiden Mädels allein auf der Kieler Woche war, in die Sonne gelegt habe, während sie zum Trampolinspringen angestanden haben und total eingeratzt bin, bis mir eine Freundin ihr kaltes Bier an die Wange gehalten hat…

Dieter Thomas Kuhn habe ich im Vorbeigehen gesehen und gehört (ich lass das mal unkommentiert…), Foreigner verpasst, gestern Abend hat Watershed (eine südafrikanische Band!) gespielt, doch auch das ohne uns. Herr DüneSieben war gestern mit den Kindern und Freundeskindern unterwegs, ich habe mich meinem Husten gewidmet. Wie gesagt, ein Abwägen, immer ein Abwägen.

Zum Frühstück, wie jedes Jahr, die Diskussion mit den Kindern, ob sie das heutige Abschlussfeuerwerk sehen dürfen. Das jedoch erst anfängt, wenn es halbwegs dunkel ist, also nicht vor 22h30. Bis wir zu Hause wären, wäre es nach Mitternacht. Zu spät für meine Kinder, die tagsüber einfach Gas geben und ihren Nachtschlaf sehr brauchen.

Trotzdem: Es war mal wieder schön, die Kieler Woche. Wenn diese doch manchmal so wenig charmante Stadt aufblüht, sich füllt, wenn man Englisch und viele andere Sprachen an jeder Ecke hört, wenn dann auch noch die Sonne lacht, alle guter Stimmung sind, dann zeigt Kiel sich von der Sahneseite.

etwas klarstellen

Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, diesen Beitrag zu schreiben. Wenn ich es so bedenke, habe ich die Idee schon in meinem Kopf bewegt, als ich den alten Blog noch hatte. Es war also keine Spontanaktion, wenn auch der Auslöser ein aktueller war.

Woran ich nicht gedacht hatte, waren die zeitweilig ungewohnt hohen Besucherzahlen (ich sah hier gestern teilweise 29 gleichzeitig anwesende Besucher – 29!) und die über 2000 Zugriffe gestern. Tausende haben diesen Beitrag gelesen und werden ihn noch lesen. Da beschleicht so manch einen vielleicht das Gefühl, dass Frau DüneSieben mal wieder etwas Leben in ihre Blogbude bringen wollte. Dies ist nicht der Fall. Dafür ist das Thema auch viel so sensibel.

Ich habe den Beitrag geschrieben, weil es mir schon sehr lange ein Anliegen ist. Ich habe ihn vor allem für die geschrieben, die selbst ein Hydrocephalus-Kind haben und nachts voller Fragen das Internet durchforsten. Jetzt, wo meine Tochter äußern kann, wie es ihr geht, oder welche Art von Kopfschmerzen sie meint zu haben (Shunt-Kopfschmerzen oder nur „normale“), habe ich das Bedürfnis darüber zu schreiben und vielleicht, hoffentlich, anderen Hydrocephalus-Familien oder Menschen in ähnlichen Situationen eine solidarische Schulter an zu bieten.

Mehr nicht.

Eis

Hätte ich doch gestern nur nicht dieses „Griechischer Joghurt mit Honig, Mandeln und Zimt Eis“ probiert. Es geht mir nicht aus dem Kopf.

(Himmel, war das lecker!)

Die unsichtbare Behinderung

Meine Tochter wurde als eine von Zwillingen „ganz normal“ geboren. Sie war bei der Geburt zwar ein zartes Persönchen mit ihren 2300 gr, aber von der ersten Stunde an fröhlich, aufgeweckt und lebendig. Den anstrengenden Part hat ihr Zwillingsbruder übernommen (was er natürlich nicht bewusst getan hat!), er hat gequengelt, viel geweint, hatte Dreimonantskoliken, wollte ständig auf meinem Arm sein und hatte mit acht Wochen eine Leistenbruch-OP. So war in den ersten Monaten mit den Zwillingen und der quirligen gerade-mal-Zweijährigen unser Augenmerk nicht primär auf die genügsame, in sich ruhende Lütte gerichtet. Bis sie ungefähr fünf Monate alt war. Sie wurde langsamer, hat sich nicht weiter entwickelt und wirkte müde. Ihr „sparkle“ war weg. Dass ihr Kopf viel zu groß war, das sahen wir erst hinterher auf Fotos.

weiterlesen ‘Die unsichtbare Behinderung’

Moin Moin!

Und ab diesem Wochenende: Kieler Woche!
Wünscht uns Norddeutschen gutes Wetter, ein volles Portmonaie, Geduld mit unseren Kindern, die am liebsten alles auf einmal wollen, gute Konzerte, ein Wiedertreffen alter, schon fast vergessener Bekannter und eine Menge Spaß.

Die kleine Cynthia

Die Damen Ami und Frau … äh … Mutti haben voll ins Schwarze getroffen. Sie kritisieren unsere auf der einen Seite „light“ auf der anderen Seite „all you can eat“-Gesellschaft. Ich unterschreibe beides. Light kommt mir kaum ins Haus, auf jeden Fall nicht bewusst, allein schon deshalb, weil meine Kinder nun wirklich nicht zu Übergewicht neigen und ich meine Gewicht“probleme“ eher mit Vollfett, aber dafür weniger, in den Griff kriegen möchte. Ich finde zudem, dass der Genuss eines eigenhändig gekochten Essens oder eines selbstgebackenen Kuchens grausam unterschätzt wird. Und dabei muss es nicht der Mega-Aufwand sein. Abgesehen davon, dass Kinder von klein auf alles probieren sollten, bin ich ferner der unbedingten Meinung, dass Kinder die Gelegenheit haben sollten, selbst zu kochen, brutzeln und backen.

Die Große ist keine große Kuchenesserin. Sie greift eher zu etwas Herzhaftem. Wenn sie die Wahl zwischen Süßem und Chips hat, z.B. greift sie oft eher zu Chips. Wenn wir uns in der legendären Probst Bäckerei in meiner namibischen Heimat alle ein Stück Kuchen holen auf dem Weg zum Strand, geht ihr Geschmackssin eher in Richtung eines typisch südafrikanischem Meatpies. Kuchen backen jedoch, das tut sie richtig gern.

In diesen Genuss kamen wir vorgestern wieder. Sie hatte abifrei und sich am Abend vorher das Cynthia Barcomi Backbuch mit ans Bett genommen, eine Angewohnheit, die in unserer Familie nun schon in vierter Generation durchgeführt wird. Schon meine pommersche Großmama „las Kochbücher wie Romane“, neben dem Bett meiner Mutter stapeln sich regelmäßig Rezepte und ich blätter nur zu gern als Bettlektüre durch meine Koch- und Backbücher und nun geht meine Tochter anscheinend den selben Weg. Jedenfalls stand sie morgens auf und meinte: Ich habe heute Nacht schon von Kuchenbacken geträumt und heute back ich den Chocolate Fudge Cake. Ich habe ihr lediglich geholfen, so abstrakte Dinge wie Natron in der rumpeligen Speisekammer zu finden, aber gebacken hat sie ihn komplett allein. Ich war noch nicht mal im Hause, als ich zurückkam, stand das Prachtwerk fertig da. Und er schmeckt himmlisch! Besser hätte ich ihn auch nicht hinbekommen. Die Nachbarn haben ein Stück bekommen und alle loben und sind baff, was eine Zwölfjährige zaubern kann. Sie kann es, denn sie kann lesen und Arbeitsabläufe erkennen. Und – sie sieht es bei mir, wenn ich backe. Es ist ihr nicht fremd.

Das ist kein Eigenlob, aber die Kinder müssen nunmal vorgelebt bekommen, was es heißt einen Kuchen (eine Torte!) selbst zu backen, einen Eierkuchenteig zusammenzurühren und eine Pastasoße zu kochen. Sie müssen erleben, dass etwas auch mal nicht gelingt und woran es dann wohl liegen kann. Aber das Schönste ist ja wohl, wenn das Gekochte oder Gebackene gelungen ist und die ganze Familie sich den Bauch reibt. Hmmm…

der kuchen mit abspackender bäckerin und bruder chocolate fudge cake

aus und kaputt

Bauchmuskelkater vom Husten. Brennen in der Brust. Einen Schädel von hier bis nach Namibia. Eine Stimme, wie 40 Zigaretten am Tag. Ohren, wie mit Watte ausgestopft. Und das seit über eine Woche. Welt – dreh mal ohne mich ein paar Runden.
(Man findet mich im Bett, unter dem Plümo, während draußen die Sonne lacht, die Kindelein toben und das Unkraut munter weiterwächst.)

Montagsreport

Das hat alles gut geklappt. Ein Foto gibt es leider nicht, daran habe ich in der Eile zwar noch gedacht, es aber nicht mehr durchgezogen. Es war ein anstrengendes, aber dennoch erfolgreiches, schönes Wochenende. Mehrere Frösche wurden gekillt und ich kann einige Listen nicht nur durchstreichen sondern ganz wegwerfen. Wie herrlich.

Vielen Dank hierfür, Sie Liebe!

Ich belle huste immer noch. Aber es wird lockerer und besser.

Nach wochenlangem Tunnelblick wegen dieser Veranstaltung am Wochenende, kann ich mich nun wieder Haus und Garten widmen. Passend dazu schönes Wetter, das hoffentlich noch eine Weile anhält.

Die Kieler Woche naht.

Ich wünsch Ihnen was.

lange darauf hin gearbeitet

Heute Abend und morgen findet etwas statt, wo ich lange drauf hingearbeitet habe. Lange. Viele Stunden, etwas Frust und sogar leichte Verzweiflung hat es mich gekostet. Heute renne ich den ganzen Tag schon etwas kopflos umher, huste immer noch wie ein Kudubulle und bräuchte am besten ein extra Paar Hände, einen zweiten Kopf (zur Datenabsicherung) und nochmal ein Paar Ohren. Kann ich mir alles merken, was mir da noch auf die Schnelle zugerufen wird? Schaffe ich das alles? Wird alles gut  und reibungslos laufen? Tun auch alle das, was wir besprochen haben? (Ich sag nur Elternarbeit.)
Aber: Ich werde heute Abend eine frisch erworbene weiße Jeans anziehen! Mit neuem Blüschen und niegelnagel neuen Schuhen. Quasi zufällig hat mich mein outfit für heute Abend angesprungen, nachdem ich vorgestern Herrn DüneSieben zwei Varianten vorgeführt hatte und er nur den Kopf geschüttelt  und bei einem sogar gesagt hat: Das würde Deine Mutter anziehen! sah ich mich schon im Geiste halt schulterzuckend mit den ollen Klamotten gehen.
Manchmal fügt sich eben alles am Ende doch noch.

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