Archiv der Kategorie 'Familienleben'



Ach, Avril!

Das mit den Töchtern ist so:

Man bekommt ein schnuckeliges Baby, ein Mädchen, das erste Kind. Es ist ein Vorzeigebaby: Schläft, trinkt, lächelt und gluckst nach Plan. Begeistert alle drumherum. Die Eltern meinen, das ist Standard, bekommen flugs noch ein Kind, bzw. in unserem übereifrigen Falle gleich zwei auf einem Male. Das landet als gemischtes Doppel, nämlich Junge und Mädchen. Derweil ist das erste Herzekind zarte 22 Monate alt und entwickelt gerade eine recht starke Eigendynamik. Plötzlich ahnt man, das die entspannten Zeiten vielleicht für immer passe sind. Die Dinge um einen herum passieren einfach so, man ist fremdgesteuert, wie der DüneSiebenMann es so schön auszudrücken pflegte. Es folgen Jahre des Wickelns, Tragens, Kindergarten, Vorschule und bei der Einschulung meint man, jetzt kehrt Normalität ein. Tut sie auch, zumindest zwischenzeitlic für etwa 4 - 5 Jahre.

Und dann kommt das Monster Pubertät. Ich habe mich sehr davor befürchtet, fühle ich mich doch oft, als hätte ich gerade die Pubertät überwunden. Ich erinnere mich noch so gut an mich selbst in der Phase. Ich bin - weil die nächste deutsche Schule 30 km Hause entfernt war - quasi mit 12 Jahren zu Hause ausgezogen. Habe in Schülerheimen und “privat” gewohnt. “Privat” heißt bei einer älteren Dame, die Schüler bei sich aufgenommen hat, aber keine Kontrolle über uns hatte. Bekam meine Mutter Wind von meinem Treiben, bekam ich einen Anruf. Diese Schimpftiraden ließ ich lässig über mich ergehen, indem ich den Hörer am Kabel (ich bin schon ein paar Jährchen alt, damals hatten wir noch Telefonhörer mit Kabel!) durch die Luft schwingen ließ und ab und zu ein “ja-ha”, “mach ich Mama” und “m-hm” hineinhauchte. Meine Freundin bekam Lachkrämpfe, tat es bei ihrer Mutter genauso und mich beschlich damals schon das Gefühl, dass ich das irgendwann in meinem Leben heimgezahlt bekomme. Und ich glaube, an dem Punkt bin ich jetzt angelangt.

Ich habe zwei Töchter. Die Große ist 11 einhalb. Es geht los, mit der Pubertät. Zusammenhängende Sätze gibt es nicht. Faule Ausreden dafür viele. Der Verstand wird auf Eis gelegt und nur im Notfall eingesetzt. Die aller-aller-beste Freundin wird überlebensnotwendig und wird jeden Tag zum Abschied nach der Schule umarmt. Jungs sind “sowas von hohl” allen voran eingeschlossen der eigene Bruder. Die eigenen alten verschrobenen Eltern sind einfach nur zum Augen-verdrehen-peinlich und verstehen einen einfach nicht. Alles wird vergessen und verloren. Diesen Winter hat die Große zwei Mützen und einen Schal verloren. Klassiker hierzu: Am Samstag hatte das werte Frollein Tochter einen Schwimmwettbewerb. Weil im Zuge der neuen Vergesslichkeit Badekappe und Schwimmbrille (beides Markenprodukte und super Qualität - hätten noch 15 Jahre gehalten!) verschütt gegangen waren, fuhr der DüneSiebenMann sie auf dem Weg zum Wettkampf beim Sporthändler vorbei, damit sie sich beides (vom eigenen Taschengeld) neu kaufen kann. Und was tut das Schusselchen? Vergisst dafür das sündhaft teure, weil superhautfreundliche Haut-und-Haar-Duschgel. Die Ausrede? Ich glaube das war alle, ich glaube ich habe das weggeschmissen! Das war nicht alle, meine Liebe, das war noch 2/3 voll. Aber sachliches Argumentieren bringt nüscht. Da beißt man sich die Zähne aus. Das pubertierende Scheusal Mädchen wirft die Zimmertür zu und Avril Lavigne an und gibt sich ihrem Schicksal hin, mit einer zickigen Schwester, einem “so hohlen” Bruder, einer ewig nörgelnden Mutter und einem ungeduldigen Vater gestraft zu sein. Hallo??!

Das Schlimme Gute daran ist, dass ich mich wie gesagt noch an meine Pubertät so genau erinnere. Dieses Gefühl, alle anderen sind verkorkst und man ist die einzig Normale. Dass alle Jungs im eigenen Alter und drunter so hohl sind, aber die in den älteren Jahrgängen irgendwie so süüüß! Dass die Eltern null Verständnis haben für Dinge, die alle anderen auch dürfen. (Aber die anderen…!) Dass man das eigene Handeln und Denken nun mal einfach nicht steuern kann und einfach nie, nie schuld ist. (Hallo? Was kann ich denn dafür?) Dass die Welt um einen herum in Schutt und Asche versinken kann, man sitzt auf einer einsamen Insel und versucht Avril Lavigne Texte zu übersetzen und interpretieren… Ich seh mich noch mit RiesenRosaPlastikOhrringen und knalleng abgenähten (sodass die Durchblutung der Waden komplett abgeschnürrt war) Jeans inklusive oversize Pullover in meinem Zimmer sitzen, vor mich hinschmollen und Kajagoogoo hören. Nur dass ich meine, dass früher die Pubertät gut zwei Jahre später anfing. Oder waren wir in Namibia nur etwas hinterher?

So und hier ist MEIN pubertärer Song der frühen Achtziger:

Verschnaufpause

Ich brauch eine Pause. Eine Blogpause. Ich möchte ungern unangekündigt abtauchen, finde aber auch keine richtige Erklärung. Außer dass die verschiedenen Ansprüche meiner drei Kinder an mich, meine Ansprüche an mich selbst und meine Zukunftsplanung und nicht zuletzt der DüneSiebenMann mir zwar viele Themen zum bloggen geben, aber dies muss zu einem späteren Zeitpunkt geschehen.

Damit nehme ich den roten Faden der Gedanken über das Bloggen und Kommentieren auf und kündige hiermit eine Blogpause an. Und jetzt fallen mir bestimmt hundert Dinge ein, die SOFORT gebloggt werden müssen und habe ich plötzlich ganz viel Zeit zum bloggen!

In the meantime einen Schnappschuss aus der namibischen Wüste, etwas Balsam für meine und vielleicht auch Eure Seele(n)…

http://www.flickr.com/photos/21319707@N02/2194597549/

Mutter für ältere Kinder

So habe ich es mir immer vorgestellt: Die Große hat eine Freundin zu Besuch und sie gucken mit der kleinen Schwester zusammen “Die Wilden Hühner und die Liebe” auf DVD. (Sohnemann ist bei einem Freund und ist so der Mädchenthematik entgangen…) Draußen prasselt es mal wieder. Der Ofen bullert und ich habe Waffeln gebacken und mir einen Tee aufgebrüht. So sitzen die Mädchen also gemütlich bei Waffeln und DVD, zwischendurch, davor und sicher auch danach unterhalten wir uns nett, ich darf meine Witzchen (und haben sie sich schon geküsst?) einwerfen ohne allzu großes Augenverdrehe von meinen Mädels und stelle fest, dass ich dieses Alter liebe. Ich dachte immer, ich würde meinen Babys hinterher trauern tue ich auch, aber der Zug ist ja bekanntlich abgefahren, genieße jedoch in letzter Zeit dieses Miteinander mit den großen Kindern sehr. Erinnert mich daran, wenn sie mich mal wieder in den Wahnsinn treiben

DüneSieben und DüneSiebenMann heute unterwegs in Sachen Wohnwagen anschauen.

irgendwie ein guter Morgen

Heute war irgendwie ein guter Morgen. Und das, obwohl ich um kurz nach 5 wach war. Weil ich Schmerzen hatte - keine Ahnung, ob wegen der Myome oder Rücken oder nur so normale Frauenschmerzen. Jedenfalls habe ich um 5h10 den Tee für die Kinder gekocht, sodass er noch abkühlen kann und sie mich nicht gleich morgens schon beschimpfen wegen zu heißem Tee sich nicht die Zungen verbrennen. Eine Runde auf der Couch mit sein-Glück-nicht-fassen-könnendem schnurrendem Kater war auch noch drin.
Während ich Ananas zum snacken nebenbei schnippelte (es gibt bei uns nicht jeden Morgen frisches Obst zum snacken neben dem Müsli, aber ich sagte ja bereits, dass es ein guter Morgen war!), versorgte ich die Kindelein obendrein mit Englisch Vokabeln.
Wer weiß, was Ananas auf englisch heißt?
Schweigen, Müsligemampfe, Teegeschlürfe und leere ungläubige, weil Muttern gut gelaunt und nicht muffig wie sonst müde Blicke…
Pineapple, es heißt pineapple - witzig oder, sonst sind ja viele englische Wörter doch mit deutschen verwandt so wie Apfel - apple, oder Banane - banana… Stille, Müsligemampfe, Teegeschlürfe, gar erbärmliches Katergemautze (sicherlich wegen akutem Blasendruck).
Also ich finde es ja schon toll, was ich euch hier am früher Morgen beibringe, findet ihr nicht? Wenn Eure Lehrerinnen nur wüssten, was ihr für eine tolle Mutter habt…
Kleinere Tochter: Aber Mama, unsere Englischlehrerin kennt dich doch!
Große taktlose Tochter: Ja, aber nicht im Nachthemd und mit DEN Haaren…!
Sonst bieten verschlafene Kinder und Eltern oft die beste Vorlage für morgendlichen Zoff. Nicht heute, heute war die Stimmung heiter im Hause DüneSieben. Und als der ganze Spuk um 7h20 vorbei war, beziehungsweise alle fröhlich aus dem Haus waren, klopfte ich mir innerlich auf die Schulter. Warum kann es nicht öfter so sein, so ohne Knatsch, Gemecker, Gezeter und den ersten Eifersüchteleien des Tages… Und warum habe ich mich nicht immer so gut im Griff?

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