Mit ihrer Marten-Levin Geschichte hat Frau Wortteufel so richtig reingehauen. Ich hätte so viel dazu zu sagen gehabt, dass ich gar nicht kommentiert habe, sondern einen Antwort-Beitrag darauf schreiben wollte, für den ich dann keine Zeit hatte. Nun hat auch Ami sich dazu geäußert und somit brodelt es in mir noch mehr.
Ich kenne die Marten-Levins. Ich hatte sie als Nachbarn, ich hatte sie als Freunde meiner Kinder, ich hatte und habe sie im Bekanntenkreis, vor allem aber haben meine Kinder alle etwas von Marten-Levin in sich und (man stelle sich Hape Kerkelings Tonfall vor!) - jetzt kommt’s - ich hatte und habe oft etwas von Marten-Levins Mutter!
Ich kann meine Hand dafür ins Feuer legen, dass ich in diversen Supermärkten, in vielen H&M’s, auf vielen Kieler Wochen, in vielen Badaustellungen, auf vielen Parties, ganz zu schweigen von Langstreckenflügen nach Namibia, oder sonstwo, wo Kinderlose halt (zu Recht, oder Unrecht, dass ist für mich immer die Frage) erwarten, dass sie ihre Ruhe haben, meine Mitmenschen in die Tischkante habe beißen lassen mit meinen drei “unmöglichen Blagen”!
Ich kann jedoch versichern, dass ich es BEMERKT habe. Denn die größte Pein haben meine drei Marten-Levins, mir, der Mutter und Verantwortlichen, besorgt, in solchen Situationen, die ein Augenrollen nach sich gezogen haben. Ich habe drei Kinder in zwei Jahren bekommen, ja die Große war noch nichtmal zwei Jahre alt, als wir mit Zwillingen bestraft beschenkt wurden. Auch ich hatte nicht nur zwei Wickelkinder (wie so einige Bloggermamas unter uns zur Zeit) sondern gleich drei der Sorte! Juphei, bei uns war Stimmung! Und damit das Fass so richtig schön ins Schwappen kommt und beinah-beinah überläuft kam dann nach einem halben Jahr auch noch die Hydrocephalus-Diagnose bei der Zwillingstochter hinzu. Das erzähle ich nicht, um Mitleid zu schinden, sondern um zu zeigen, dass ich auch mal an der Front war und nicht nur aus der vielleicht überheblichen Sicht einer “Ich-bin-da-durch-Mutter” spreche. Meine Marten-Levins Kinder sind jetzt elf und 2x neun.
Was mir und uns als Eltern in den Jahren geholfen hat, war Routine. Routine war das A und O. Routine bedeutet aber auch wenig Flexibilität. Es bedeutet, zwar mit der Kinderschar zu beispielsweise einer Party zu gehen, sich aber vorzunehmen, um 16h00 hinzugehen und um 19h00 zu GEHEN. Und wenn die Kindelein gerade so sonnig sind und alle anderen Gäste verzaubern. 19h00 Abflug. Kinder zu Hause in Ruhe, in der gewohnten Umgebung füttern, baden, ins Bett. Es bedeutete viel Entsagen, vor allem für mich als Mutter. Ich konnte es nur so. Ich war nicht die super-entspannte Mutter, die in Wind und fliegendem Sand mit Kleinstkindern im Auto/Kinderwagen/sonstwo ihrem Mann beim Surfen zuguckt. Nö, da blieb ich lieber zu Hause, wo ich alles griffbereit hatte und die Kinder ihr geregeltes Leben hatten. Wohlbemerkt, weil ICH es so wollte. Es wurden auch nicht am Samstagvormittag Badezimmeramaturen ausgesucht, weil ich wußte, dass die Kinder Amok laufen würden.
Ich kann beide verstehen, Ami und den Wortteufel. Ich wusste sofort, dass Wortteufel es satirisch-bissig meint und sie sprach ja vielen von uns aus der Seele. Dass unter meinen bitterbösen, angenervten Blicken, nicht schon so manches Kleinkind sich schlichtweg in nichts aufgelöst hat, ist mir unverständlich. Und zeigt nur, wie unverwüstlich die Biester sind! Aber ich darf es ja, ich bin ja Mutter. Meine liebe kinderlose Freundin sagt immer, wenn sie zwischen uns schnatternden kinderreichen Frauen sitzt ich darf ja nichts sagen, ich habe ja keine Kinder. Dass ich selbst mal Kind war, dass ich kleine Geschwister habe, die meine eigenen Kinder sein könnten vom Alter her, dass ich viele Kinder im Bekanntenkreis habe, ZÄHLT einfach nicht. Und gerade diese Freundin hält mir so oft den Spiegel vor. Bringt mich entweder auf den Teppich, wenn ich meine, dass meine Kinder so außergewöhnlich schwierig sind. Oder aber gibt mit zu verstehen, dass von allen Marten-Levins dieser Welt, meine drei Exemplare noch die angenehmsten sind. Und das tut sie nicht, um mir Honig um den Mund zu schmieren. Sie wertet Kinder als Menschen. Ohne das ganze hutschi-gu, das wir, mit Kindern, gern an den Tag legen.
Wir haben einige kinderlose Freunde, gute Freunde. Und es sind gerade diese Freunde, die unseren Kindern am nächsten sind. Gerade, WEIL sie sie als Menschen und nicht nur hutschi-gu als Kinder werten. Sie sind unseren Kindern echte Kumpel und solchen Freunden räume ich alle Kritik an meinen Kindern ein.
Wie schon so oft erlebt, kochen die Emotionen hoch beim Thema Kinder und Erziehung. Kinderlose haben da leider schlechte Karten. Ich hoffe, ich konnte dies mit diesem Beitrag, den ich wohlbemerkt under the influence (zwei Gläser Rotwein nach einem Tag voller Gartenarbeit) geschrieben habe, etwas relativieren. Also, verzeihen Sie mir den einen oder anderen Fählär. Aber ich musste es noch heute Abend loswerden.
Spuren im Sand